Anja Dittmer:

Die Grande Dame des Triathlons sagt adé!

Die Neubrandenburgerin Anja Dittmer zieht sich nach 20 Jahren Hochleistungssport zurück und wird Trainerin.

Anja Dittmer bei ihren letzten Olympischen Spielen in London.
Archiv Anja Dittmer bei ihren letzten Olympischen Spielen in London.

Sie hat es immer sehr gern gemacht, aber alles ist eben auch endlich. Anja Dittmer lächelt bei diesen Worten und fügt hinzu: „Irgendwann muss ich ja mal vernünftig werden.“ Nach mehr als 20 Jahren Hochleistungs-Triathlon hat die Neubrandenburgerin ihre Karriere beendet. Am 1. Januar startet die 38-Jährige in ihr neues Leben, in dem es sich aber weiterhin um die Sportart drehen wird, die die Neubrandenburgerin weltbekannt gemacht hat.

Anja Dittmer wechselt sozusagen die Seite: Am Olympiastützpunkt in Potsdam tritt sie eine Trainerstelle an, ist dort für den Triathlon-Nachwuchs verantwortlich. „Ich lasse jetzt andere trainieren und darauf freue ich mich sehr.“ Während eines mehrwöchigen Praktikums in der brandenburgischen Hauptstadt durfte sie im Herbst bereits erste Erfahrungen als Übungsleiterin sammeln und war am Ende überrascht: „Das ist manchmal schwerer, als selbst zu trainieren. Du hast Verantwortung für mehrere junge Menschen, musst immer hoch konzentriert sein. Aber es macht viel Spaß und ist gleichzeitig eine große Herausforderung.“ Zudem hat sie ein Studium Leistungssport/Wettkampfsport aufgenommen, das über drei Jahre gehen wird.

Anja Dittmer hätte auch gern bei ihrem Heimatclub SCN ihr Wissen an die vielen Triathlon-Talente weitergegeben. Ging aber nicht: „In Potsdam war eine Trainerstelle frei, in Neubrandenburg nicht.“

Nach den Weihnachtstagen, die sie in ihrer Heimat verbringt, wird Anja Dittmer ihren Umzug von Saarbrücken nach Potsdam vollziehen. Viel Zeit, die Schönheiten Potsdams zu erkunden, wird ihr nicht bleiben. Anfang Januar geht es gleich mit den Potsdamer Dreikämpfern ins Ski-Trainingslager.

Auf ihre Laufbahn blickt Anja Dittmer mit etwas Wehmut zurück. Mit vier Olympiateilnahmen, einem Gesamtweltcupsieg, einem Europameistertitel und sechs Deutschen Meistertiteln gehört die 38-Jährige zu den erfolgreichsten Triathleten, die es in Deutschland je gegeben hat. Doch die Krönung – eine olympische Medaille – blieb ihr verwehrt: „Das ist im Rückblick schon etwas enttäuschend. Aber bei Olympia habe ich leider nie das perfekte Rennen erwischt.“

Viele hatten Anja Dittmer schon abgeschrieben

Perfekte Rennen legte die Sportlerin ansonsten eine Menge hin in den 20 Jahren. Ihr Nationalmannschaftskollege Maik Petzold erinnert sich gern an die Qualifikation für Olympia 2012 in London. „Vor der Quali hatten viele Anja schon abgeschrieben, aber dann hat sie da noch mal so ein Ding raus. Das war schon beeindruckend“, sagt Petzold. Anja habe Triathlon-Geschichte geschrieben.

Die begann 1992 mit einer Silbermedaille bei den Deutschen A-Jugend-Meisterschaften, in den Folgejahren sammelte die Neubrandenburgerin Titel und Medaillen am Fließband.

Einen ihrer größten Erfolge feierte Anja Dittmer 1999 bei der Europameisterschaft in Portugal, als sie sich den Titel auf der olympischen Distanz holte. Einen Tag später gab es als Zugabe noch EM-Gold mit dem Team. Ihr Trainer zu jener Zeit war Andreas Barth, auf den sie immer noch große Stücke hält.

Barth, der heute in einem kleinen Dorf bei Demmin lebt, formte die talentierte Dreikämpferin zur Weltklasse-Athletin. „Andreas kam damals vom Marathon und hat mir erst einmal die Grundlagen im Ausdauersport beigebracht. Er ist einer der wichtigsten Trainer, den ich in all den Jahren hatte“, erzählt sie.

Nach mehr als 20 Jahren Triathlon mit 35 Stunden Training in der Woche und unzähligen Wettkämpfen auf der ganzen Welt ist nun aber Schluss.

„Man kann sich schnell daran gewöhnen, nicht mehr so viel trainieren zu müssen. Da wird man schnell faul“, sagt sie und lacht herzhaft. Sie sei vor allem froh, morgens nicht mehr ins ungeliebte Schwimmbecken steigen zu müssen. Das Schwimmen war während der Karriere nie ihre bevorzugte Sportart.

Bei dem einen oder anderen Wettkampf wird Anja Dittmer aber noch zu sehen sein. Und vielleicht nimmt die 38-Jährige irgendwann auch einmal einen Ironman in Angriff oder startet für das Potsdamer Bundesliga-Team. Sie möchte sich da nicht festlegen, möchte keinen Druck. In dem Punkt sieht sich Anja Dittmer jetzt als Breitensportlerin.

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