Historischer Tischtennis-Triumph:

Doppel-Gold für Damen und Herren bei der EM

Die deutschen Frauen mussten lange auf diese Goldmedaille warten. Verstummen jetzt die Diskussionen um die Trainerin?

Patrick Baum
Punz Patrick Baum in Aktion gegen Panagiotis Gionis aus Griechenland.

Schwechat. Bundestrainerin Jie Schöpp sprang kurz in die Luft und umarmte danach ihre Spielerinnen. 15 Jahre nach dem EM-Sieg 1998 in Eindhoven, zu dem sie mit einer grandiosen 9:0-Bilanz den Löwenanteil beigesteuert hatte, führte die Ex-Nationalspielerin die Damen des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) zurück auf den EM-Thron. Mit einem 3:1-Sieg im Finale gegen Rumänien krönte die neu formierte DTTB-Auswahl am Montag ein starkes Turnier in Schwechat und trug sich zum fünften Mal in die kontinentale Siegerliste ein.

Schöpp, erst seit Februar 2012 im Amt, setzte im Finale ihre beiden EM-Neulinge Han Ying (Tarnobrzeg/Polen) und Shan Xiaona (Berlin) ein. Die gebürtigen Chinesinnen, die seit mehr als zehn Jahren in Deutschland leben, rechtfertigten das Vertrauen. „Ich wollte unbedingt diesen Titel“, sagte die überragende Han Ying. Die 30 Jahre alte Abwehrkünstlerin gewann beide Einzel und wehrte gegen Elizabeta Samara sogar einen Matchball ab. Die deutsche Meisterin Shan Xiaona holte an Position drei den dritten Zähler. Kristin Silbereisen (Berlin) hatte das Auftakteinzel verloren und damit den Druck für ihre Kolleginnen noch mehr erhöht.

„Ich kenne das Gefühl, dass man als gebürtige Chinesin sehr hohe Ansprüche an sich stellt“, erklärte die aus Baoding stammende Schöpp. Ihre Personalpolitik hatte heftige Diskussionen ausgelöst. Selbst unter den Fans in Schwechat gab es vereinzelt Widerstände. „Wir klatschen nicht für Chinesen“, hieß es auf der Tribüne. „Die Diskussionen sind ungerecht. Diese Spielerinnen haben als deutsche Staatsbürger alle Rechte und Pflichten. Und sie erfüllen ihre Pflichten sehr gut“, stellte DTTB-Präsident Thomas Weikert fest.

Deutschlands Tischtennis-Herren feierten ihren sechsten EM-Titel in Serie schon fast routiniert. Das umkämpfte 3:1 gegen Außenseiter Griechenland krönte am Montagabend jedoch einen historischen Doppel-Sieg für den DTTB. Zuvor hatte die Damen-Auswahl ihr nervenaufreibendes Finale mit 3:1 gegen Rumänien gewonnen und sich zum fünften Mal die EM-Krone aufgesetzt. Erstmals in der Turnier-Historie seit 1958 stellt der DTTB damit beide Mannschafts-Europameister.

«Das ist etwas Besonderes, was selten erreicht wird», bewertete Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig ein Resultat, das zuvor nur Ungarn 1960, 1978 und 1982 dreimal gelungen war. «Diese beiden Titel bringen unsere Mannschaften in der Entwicklung weiter. Wir sind jetzt breiter aufgestellt», fügte Schimmelpfennig hinzu. Er verwies auf das Fehlen des erkrankten Timo Boll, der erstmals einen EM-Titel der Herren verpasste, und auf die geglückte Eingliederung von zwei neuen Spielerinnen im Team von Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp.

Die favorisierten Herren ließen auch ohne Rekord-Europameister Boll nichts anbrennen. Bundestrainer Jörg Roßkopf schickte erneut das Erfolgstrio Dimitrij Ovtcharov, Patrick Baum und Patrick Franziska an die blauen Tische. Die Griechen, die zuvor ihren erstmaligen Final-Einzug ausgelassen zu Sirtaki-Musik gefeiert hatten, leisteten aber vor lediglich 400 Fans unerwarteten Widerstand.

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