Fußball-Bundesliga:

Duo hält Hertha auf Kurs

Aufsteiger Hertha BSC Berlin bleibt ein Überraschungsteam der Fußball-Bundesliga. Gegen den SV Werder Bremen kann sich Trainer Jos Luhukay einmal mehr auf sein Südamerika-Doppel Ramos/Ronny verlassen.

Herthas Ronny jubelt nach seinem Treffer zum 3:2 mit Mitspieler Adrian Ramos (r.).
Hannibal Hanschke Herthas Ronny jubelt nach seinem Treffer zum 3:2 mit Mitspieler Adrian Ramos (r.).

Die Alte Dame hat Stehvermögen. Nach dem Rehhagel-Niedergang 2012 als Bundesliga-Aufsteiger in diesem Sommer skeptisch beäugt, haben sich die Fußballer von Hertha BSC Berlin mittlerweile zu einem Europa-League-Kandidaten gemausert. Das Zwischenzeugnis der Luhukay-Truppe einen Spieltag vor Ende der Hinrunde fällt mehr als ordentlich aus: Sieben Siege, vier Remis, fünf Niederlagen ergeben satte 25 Punkte – eine Bilanz von der andere, siehe Ex-Champions-League-Abonnent SV Werder Bremen, nur träumen können.

Apropos Werder. Den derzeit arg strauchelnden Norddeutschen bekam die vernebelte Berliner Luft zuletzt überhaupt nicht und ihre Wiedergutmachungsträume nach dem 0:7-Desaster gegen den FC Bayern München verpufften vor 48721 Zuschauern im Olympiastadion bei der 2:3-(2:2)-Niederlage. „Wir machen uns das Spiel hier selbst kaputt, kriegen zwei Tore aus dem Nichts. Wir spielen viel zu körperlos bei den Gegentoren, so kann man einfach nicht verteidigen“, schimpfte Werders einsamer Lichtblick Aaron Hunt.

Doch auch bei den Gewinnern suchte man trotz Heimsieges Dauergrinser vergeblich. Von einer Partie „zum Haareraufen“ sprach etwa Hertha-Manager Michael Preetz. „Das war spielerisch vielleicht unsere schwächste Leistung. Das Spiel hat mir zu wenig Spaß gemacht, aber wir haben gewonnen“, resümierte Berlins Erfolgstrainer Jos Luhukay. Der Niederländer konnte sich dabei einmal mehr auf die Offensiv-Qualitäten seines Südamerika-Duos Ramos/Ronny verlassen. Während der Kolumbianer Adrian Ramos seine Tore neun und zehn markierte, steuerte der zuletzt wegen mangelndem Trainingseifer und Gewichtsproblemen kritisierte Ronny den 3:2-Siegtreffer bei. Nach Schluss freute sich der Brasilianer mehr innerlich und philosophierte via Dolmetscher: „Wenn einer ein Tor schießt, haben eigentlich alle getroffen. Wir sind eine Gruppe.“

Ein Extralob vom Coach verdiente sich Herthas Kapitän Fabian Lustenberger – einmal mehr zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk im Luhukay-System. Er sei in Halbzeit eins „am meisten mit Herz dabei gewesen“. Der Eidgenosse selbst bewertete die Erfolgswelle seiner Mannschaft nüchtern und realistisch: „Wir sehen das ganz locker. Die Rückrunde  wird sauschwer, uns erwartet viel Druck von unten.“ Auch Teamkollege Marcel Ndjeng gab sich auf die Frage, wo es denn nun mit 25 Zählern für die Hertha hingehe, pragmatisch: „Nach Dortmund.“

Den humorvollen Schlusspunkt indes setzte Trainer Jos Luhukay, als er gefragt wurde, ob es denn nun mit 25 Zählern leichter werde zu arbeiten. „Leichter? Hier? In Berlin?“. Da kennt wohl einer die Hauptstadt-Journaille ganz genau.