Mit Gänsehaut-Krimi ins EM-Finale:

DVV-Frauen greifen nach Gold

Die deutschen Volleyballerinnen haben sich ins Endspiel der Heim-EM gezittert. Die Mannschaft von Bundestrainer Giovanni Guidetti drehte gegen Sensationsteam Belgien einen 0:2-Satzrückstand.

Jubel bei Christine Fürst (Mitte) und ihren Teamkolleginnen: Die deutschen Volleyballdamen stehen im Finale der Europameisterschaft.
Soeren Stache Jubel bei Christine Fürst (Mitte) und ihren Teamkolleginnen: Die deutschen Volleyballdamen stehen im Finale der Europameisterschaft.

Nach einer atemberaubenden Aufholjagd sind die deutschen Volleyballerinnen auf den letzten Drücker ins Endspiel der Heim-EM gestürmt und dürfen weiter vom Titel träumen. Die Mannschaft von Bundestrainer Giovanni Guidetti drehte mit einer Energieleistung ein schon verloren geglaubtes Halbfinale gegen Sensationsteam Belgien und greift nun nach dem größten Erfolg seit der Vereinigung. Trotz eines 0:2-Satzrückstands siegten die deutschen Frauen in einem Volleyball-Krimi noch mit 3:2 (18:25, 20:25, 25:21, 25:21, 15:11).

Vor 7137 Zuschauern in der Berliner Max-Schmeling-Halle, unter ihnen auch der neue IOC-Chef Thomas Bach, boten Kapitän Margareta Kozuch und ihre Teamkolleginnen anfangs eine magere Vorstellung, feierten aber ein Gänsehaut-Comeback und treffen im Endspiel am heutigen Samstag (20 Uhr/Sport1) nun auf Weltmeister Russland, der Titelverteidiger Serbien mit 3:0 förmlich aus der Halle fegte. Belgien hofft nun zumindest im Spiel um Platz drei gegen Serbien auf einen kleinen Coup.

Die deutschen Volleyballerinnen bekamen hohen Besuch. Neben DVV-Boss Thomas Krohne und dessen Vorgänger Werner von Moltke legte auch IOC-Chef Bach eine Stippvisite beim Semifinale ein. „Ich bin seit vielen Jahren bekennender Volleyball-Fan“, sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees vor der Partie. Er habe hier noch einmal die Möglichkeit, „parteiisch zu sein“, meinte er schmunzelnd im TV-Sender Sport1. Es war Bachs erster Besuch einer Sportveranstaltung in seinem neuen Amt.

Starker belgischer Block wird zum Problem

Was der IOC-Präsident zunächst zu sehen bekam, dürfte ihn wenig begeistert haben. Das junge Team des Deutschen Volleyball-Verbandes begann nervös: zu viele Unkonzentriertheiten, zu viele leichte Fehler. Permanent liefen Kapitän Kozuch und ihre Mitspielerinnen einem Rückstand hinterher. Nicht nur Maren Brinker konnte an ihre starken Leistungen aus den ersten Spielen nicht anknüpfen.

„Wir hatten in diesem Jahr nur Probleme gegen Belgien“, hatte Guidetti zuvor gewarnt und zürnte nun angesichts der mageren DVV-Vorstellung. Mit cleveren Aufschlägen, starkem Block und aggressiven Schmetterbällen führte der Weltranglisten-39. mit 24:17, ehe der erstmals bei dem Turnier eingesetzte Videobeweis die Entscheidung gegen die deutschen Frauen brachte.

Alles eine Frage des Willens

Am verblüffenden belgischen Block blieben die Schützlinge von Guidetti auch im zweiten Satz immer wieder hängen, hatten zudem in der Annahme gehörig zu kämpfen. Doch die DVV-Frauen stellten erneut eine Qualität unter Beweis, die sie bislang durch das Turnier förmlich getragen hat: Courage. Nicht aufstecken, selbst wenn immer wieder Fehler unterlaufen. Mit 18:14 führten Kozuch & Co. schon, ehe Belgien Abschnitt zwei noch drehen konnte.

Der Co-Gastgeber der EM bäumte sich jedoch mit aller Macht auf und holte sich mit einer Willensleistung noch die Sätze drei, vier und fünf. Was für ein Finish! Nun haben die DVV-Frauen den größten Erfolg seit der Vereinigung vor Augen. Bislang holte nur die DDR in den 80ern zweimal den EM-Titel.

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