Leichathletik:

Kugelstoßerin Nadine Kleinert sagt adieu

Bei der Militär-EM in Warendorf endet an diesem Sonntag eine der längsten und erfolgreichsten Karrieren der deutschen Leichtathletik. Kugelstoßerin Nadine Kleinert hört endgültig auf.

Beenden beide noch in diesem Jahr ihre Karriere: Nadine Kleinert und der Neubrandenburger Ralf Bartels.
Arne Dedert Beenden beide noch in diesem Jahr ihre Karriere: Nadine Kleinert und der Neubrandenburger Ralf Bartels.

Wehmut hört sich anders an. „In der nächsten Woche bin ich Kugelstoß-Rentnerin“, sagt Nadine Kleinert. „Ich zähle die Tage bis dahin nur noch herunter.“ Im westfälischen Warendorf geht an diesem Sonntag eine der längsten, erfolgreichsten und vor allem beständigsten Karrieren der deutschen Leichtathletik zu Ende. Nach insgesamt neun internationalen Medaillen und 14 deutschen Meistertiteln im Freien und in der Halle wird Kleinert bei der Militär-EM ihren definitiv letzten Wettkampf bestreiten.

Ihren Rücktritt hatte die 37-Jährige schon häufiger angekündigt. Doch ob sie nun aufhören oder weitermachen soll, das war in ihrem Fall immer eine besonders schwere Abwägung. Kleinerts fast 20 Jahre dauernde Karriere war voller besonderer Momente und bitterer Enttäuschungen – und lässt sich folglich auch nicht nur unter einer Überschrift zusammenfassen. Möglich wäre: Kleinert, die Erfolgreiche, weil sie als amtierende Europameisterin und vierfache WM-Zweite im Freien und in der Halle abtritt. Denkbar wäre aber auch: Kleinert, die ewig Unterschätzte, weil sie sich Zeit ihres Sportlerlebens zu wenig gewürdigt fühlte von Sponsoren oder Meeting-Veranstaltern.

Ein weiteres Schlagwort warf sie im Mai in der „Magdeburger Volksstimme“ selbst auf: „Ich bin doch auch ein Doping-Opfer“, sagte Kleinert und rechnete vor, allein bei großen internationalen Meisterschaften 13 Mal hinter einer Konkurrentin gelandet zu sein, die später nachträglich des Dopings überführt wurde.

Die Folge: Bei den Olympischen Spielen 2004 wurde sie nachträglich vom Bronze- auf den Silberrang hochgestuft. Bei der Hallen-WM 2004 steht sie mittlerweile als Dritte statt Vierte in der Statistik. „Die Medaille habe ich mit der Post zugeschickt gekriegt. Auf zwei weitere Medaillen und eine Menge Prämien warte ich immer noch“, erzählt Kleinert. WM-Bronze 2005 und WM-Silber 2007 stünden ihr noch zu, wenn die mehrfach überführte Weißrussin Nadeschda Ostaptschuk lebenslang gesperrt werden sollte. Das Gefühl, ständig betrogen worden zu sein, bliebe aber selbst dann: „Der Jubel lässt sich nunmal nicht nachholen. Es war immer das Schönste, auf dem Treppchen zu stehen.“ In Deutschland wurde sie erst im letzten Jahr ihrer Karriere von Claudia Schwanitz von der Spitze verdrängt. Aber nach 14 Meistertiteln zwischen 1998 und 2012 lässt sich das verschmerzen. Und was kommt jetzt? Kleinert möchte als Trainerin arbeiten. Wichtig sei aber: Sie will lieber mit Jugendlichen arbeiten und nicht mit gestandenen Athletinnen. „Ich finde es spannender, dem Nachwuchs noch etwas beizubringen.“

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