Kanurennsport:

Martin Hollstein und das Jahr der doppelten Bewährung

Der Peking-Olympiasieger vom SC Neubrandenburg muss nach einer Verletzung gegenwärtig „nachsitzen“.

Martin Hollstein, Gordon Harbrecht, Paul Mittelstedt und Erik Rebstock (V.r.n.l.) mit Trainer Jürgen Lickfett (Mitte).
Heiko Brosin Martin Hollstein, Gordon Harbrecht, Paul Mittelstedt und Erik Rebstock (V.r.n.l.) mit Trainer Jürgen Lickfett (Mitte).

Die Sonne scheint an diesem Dezembertag. Martin Hollstein und Maximilian Zenker steigen gut gelaunt aus ihren Booten. „Ich weiß, viele wünschen sich jetzt Schnee. Aber uns kommt dieses Wetter total gelegen“, schmunzelt Kanute Hollstein. In diesen Tagen um die Jahreswende heißt es für den Olympiasieger „nachsitzen“, Kilometer auf dem Oberbach in Neubrandenburg schrubben. Denn, im September hatte es den Erfolgs-Kanuten erwischt. Ein Bruch der rechten Hand setzte ihn erst einmal matt.

„Im vergangenen Jahr lag ich um diese Zeit bei etwa 1000 Kilometern. Diesmal komme ich wohl nur auf 200 bis 300 Kilometern. Da heißt es aufholen“, weiß der Schützling von Trainer Jürgen Lickfett und ergänzt: „Ganz sind die Schmerzen immer noch nicht weg.“ Was leichter gesagt als getan ist. Denn: Für „Holli“ – wie ihn alle im Verein nennen – ist das neue Jahr eines mit ganz besonderer Bedeutung. In den ersten beiden Monaten muss der Sport sogar zurückstehen. Der Polizeianwärter Hollstein geht am 13. Januar in die schriftliche Abschlussprüfung in vier Hauptfächern. Einen Monat später folgen dann die mündlichen Tests. Dafür heißt es, jetzt neben dem Training kräftig zu büffeln. An den Abenden kommt wahrlich keine Langeweile auf bei „Holli“.  Sein Trainer weiß um die Bedeutung der kommenden zwei Monate für seinen Schützling: „Das ist jetzt für ihn das Wichtigste. Wenn er die Prüfungen bestanden hat, kann er sich ganz auf den Sport konzentrieren“, so Lickfett. Und vom Verband hat der Coach sogar das Treue-Bekenntnis erhalten, dass Hollstein, auch wenn er den Sprung ins WM-Team 2014 verpasst, in der Höchstförderung bleibt.

Der ehrgeizige Kanute will davon nichts wissen. Vorerst jedenfalls nicht. Hollstein selbstbewusst: „Klare Zielstellung für mich: erst die Prüfungen und dann die Qualifikation für die EM in Brandenburg und die WM in Moskau. Egal, in welchem Boot und über welche Strecke. Aber, ich will dabei sein.“

Nein, Schlendrian lässt ernicht zu. Hollstein will sich alle Optionen offen halten. Ein „Angriff“ auf den Zweier ist ebenso möglich wie ein erneuter Start im Vierer. Hier hat der Verband ohnehin ein neues Projekt gestartet. Nach der Pleite bei der Heim-WM soll wieder ein konkurrenzfähiges Flaggschiff auf das Wasser gebracht werden, um langfristig die Olympia-Qualifikation bei der WM 2015 zu sichern. Dafür wird viel experimentiert werden, bevor die besten Vier feststehen. Martin Hollstein ist ein Anwärter – auch wenn er im Moment Trainingsrückstand hat.

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