Confederations Cup:

Tahiti erobert Brasiliens Herzen

Spiel verloren, tausende Herzen gewonnen: Der Außenseiter hat beim Confed Cup dennoch jetzt vor Weltmeister Spanien etwas „Angst“.

FIFA Confederations Cup 2013 Tahiti
Peter Powell

Als Jonathan Tehau die Amateure aus Tahiti mit seinem Tor in der Fußball-Geschichte verewigte, stand 11 000 Kilometer weiter westlich das öffentliche Leben still. Auf der Insel im Südpazifik wurde eigens eine Kabinettssitzung unterbrochen – auch die Politiker wollten diesen historischen Moment miterleben.

Dritthöchste Niederlage? Egal!

Dass Tahiti mit dem 1:6 (0:3) gegen Nigeria die dritthöchste Niederlage in der Confed-Cup-Geschichte kassieren würde, war den Insulanern schon da, um kurz nach 10 Uhr Ortszeit, egal. Tehau und Kollegen rammten ihre imaginären Paddel in den Rasen – und alle jubelten mit. „Ich bin so stolz auf das Team, auf die Spieler“, sagte Trainer Eddy Etaeta, „dass wir dieses Tor geschossen haben, ist wunderbar!“

Schon beim Abspielen der Nationalhymne („Lang lebe Tahiti!“) habe er geweint, berichtete der 43-Jährige. Doch als Tehau beim ersten Spiel des Ozeanienmeisters bei einem FIFA-Turnier kurz nach der Pause zum zwischenzeitlichen 1:3 traf (54.), übermannten ihn die Emotionen vollends. Etaeta hüpfte durch seine Coachingzone, als hätten seine Jungs gerade den WM-Pokal gewonnen, und im Estádio Mineirão feierte die überwältigende Mehrheit der 20 187 Fans den Underdog. „Wir haben die Herzen der Brasilianer erobert“, berichtete Etaeta stolz, als er sich wieder einigermaßen gefangen hatte.

Team aus Mehlträgern und Lkw-Fahrern

Auch Marama Vahirua, der einzige Profi im Team der Mehlträger und LKW-Fahrer, war voller Dankbarkeit. „Die Fans haben uns geholfen, ein so tolles Spiel abzuliefern. Wir können super, super stolz auf uns sein“. Dann fragte er den TV-Reporter, ob er noch eben nach Hause grüßen dürfe. Vahirua durfte – und schickte Küsschen an die Familie.

Irgendwann hatte Etaeta die Realität wieder. Und beim Gedanken an den nächsten Gegner, Welt- und Europameister Spanien, wurde ihm ein klein bisschen mulmig. „Da müssen wir Angst haben“, sagte er über das Duell im Maracanã Donnerstag (21 Uhr/Sport1), fügte aber verschmitzt hinzu: „Die Spanier sind ja nicht hierhergekommen, um uns zu demütigen.“ Noch ein Tor gegen die Selección, meinte Etaeta, wäre „das Größte!“ für Tahiti: „Ich hoffe, Señor del Bosque hat das gehört.“ 

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