Kanu-Rennsoprt:

Tausende Paddelschläge bis nach Rio

Für den SCN-Kanuten Erik Rebstock ist ein erfolgreiches Wettkampfjahr zu Ende gegangen.

 Erik Rebstock (Zweiter von rechts) jubelt nach der Duisburger Goldfuhre mit seinen Mannschaftskameraden.
Archiv  Erik Rebstock (Zweiter von rechts) jubelt nach der Duisburger Goldfuhre mit seinen Mannschaftskameraden.

Als Heimwerker sind sie begabt. Die Frontwand im Kraftraum des Bundesleistungszentrums haben die Kanuten des SC Neubrandenburg schon mal neu dekoriert: Neben den Logos von Peking und London prangt jetzt das Symbol von Rio de Janeiro 2016 dort. Das Ziel der Träume der Schützlinge von Trainer Jürgen Lickfett. Peking und London haben sie immer mit Edelmetall verlassen. Martin Hollstein sicherte in beiden Fällen die Medaillen-Bilanz – Gold und Bronze heftete er an sein Kajak-Paddel. Nun also Rio. Fortsetzung darf folgen.

Auch Erik Rebstock – der Canadier-Fahrer – schaut öfter mal auf jenes Rio-Symbol, das zum Ziel aller Mühen werden soll. Im zurückliegenden Jahr war es der Stechpaddler Rebstock, der Edelmetall an den Oberbach mitgebracht hat: Gold bei der Heim-WM in Duisburg im Vierercanadier. Es war der 31. August gegen 16 Uhr, als Rebstock mit seinen Partnern Kurt Kuschela, Gunnar Leue und Peter Kretschmer die Goldfuhre auf der Wedau perfekt gemacht hatte.

Nach dem Goldrennen auf die Schulbank

Und plötzlich bist du Weltmeister! „Ein toller Moment – und dann noch vor den eigenen Fans. Meine Freundin war da, Verwandte, Kumpels – alles hat gepasst. Aber, ganz ehrlich, ich hatte bisher noch gar nicht so viel Zeit, das zu verarbeiten. Nach der WM ging es zu den nationalen Meisterschaften und danach saß ich schon wieder auf der Schulbank“, erzählt der Kanute, der eine Ausbildung bei der Bundespolizei in der Sportfördergruppe in Kienbaum macht. Lernen, Training, Lernen, Training – in diesem Gleichklang werden auch die nächsten Wochen verlaufen.

Die zurückliegende Saison wird dem Muskelmann dennoch in Erinnerung bleiben. Bei der EM deutete nichts auf ein Gold-Happy-End bei der WM hin. „Vielleicht war die EM-Pleite ja ein Weckruf. Wir haben dann komplett noch einmal alles hinterfragt, die Positionen im Boot verändert, viel mit Wissenschaftlern zusammengearbeitet. Dann lief alles perfekt.“ Rebstock nimmt aus der Sache eins mit: Man kann vieles schaffen – mit harter Arbeit.

Das könnte auch so etwas wie der Leitspruch für den Weg nach Rio sein. Erik Rebstock weiß, wofür er sich schindet – mit dem ersten WM-Titel der Karriere hat er „Blut geleckt“. „Mein erster Titel gelang im nichtolympischen Vierer. Jetzt will ich mich für eines der zwei Boote, die in Rio über 1000 Meter starten, qualifizieren“, so das Fernziel. Dafür sei es gut, sich schon in der nächsten Saison für den Eintrag ins Notizbuch des Bundestrainers zu empfehlen. Die Selektion ist hart. Drei Canadier haben nur die Chance über den langen Kanten bei Olympia anzustreten – bei gefühlt zehn Klasse-Paddlern zwischen Neubrandenburg, Potsdam und Leipzig. SCN-Canadier-Legende Andreas Dittmer hatte schon vor Jahren gesagt: „Wer sich in Deutschland durchsetzt gehört zur Weltspitze!“

Im Februar lockt Kalifornien

Erik Rebstock und die anderen Mitglieder der Elitegruppe des SCN wollen sich durchsetzen. Rio de Janeiro – noch weiß keiner, mit wie vielen Paddelschlägen sie vorher den Tollensesee durchfurchen werden oder die Trainingsgewässer in Kienbaum und anderswo. Es werden viele tausende sein.

Im Moment bleibt den Neubrandenburgern – neben Erik sind auch Martin Hollstein und Paul Mittelstedt in der Polizeiausbildung – wenig Raum für Experimente. Der Tagesablauf zwischen Lernen und Paddeln bestimmt ihr Tun. Im neuen Jahr sollen dann auch neue Reizpunkte gesetzt werden: „Im Februar werden wir beim Lehrgang der Nationalmannschaft in Kalifornien Kilometer schrubben“, blickt Erik voraus.

Vielleicht ergibt sich eine Chance im Zweier

Und in Übersee kann er dann auch die nationale Konkurrenz in Augenschein nehmen. Etwa den Potsdamer Sebastian Brendel, der nach Andreas Dittmers Rücktritt der neue Canadier-König von Deutschland ist. „Basti fährt schon in einer anderen Liga. Der kann unheimlich intensiv trainieren und man merkt es ihm nicht an. Wahnsinn. Gegen ihn wird es ganz schwer“, gibt Rebstock zu, auch wenn aufgeben nicht sein Ding ist. Realistisch betrachtet dürfte aber der Zweier die größere Chance auf Rio sein. „Vielleicht ergibt sich da zur nächsten Saison schon etwas“, spielt der Neubrandenburger auf einen neuen Partner an, mit dem er konkurrenzfähig in der nationalen Spitze sein will.

Er arbeitet halt langfristig an seinen Träumen, der Erik Rebstock. In einer künstlichen Lagune gleich neben dem Zuckerhut sollen sie für ihn und seine Trainingskameraden in knapp drei Jahren aufgehen.

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