Fußball-WM 2022:

Termin-Chaos um WM: Katar bleibt Zündstoff

Die Fußball-WM 2022 in Katar soll nicht im Sommer stattfinden – verkündet zumindest FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke.

Die Fußball-WM 2022 findet in Katar statt. Die Verantwortlichen im Weltverband sind sich nicht einig: Geht es dort in Katar in die Gluthitze des Sommers oder wird die Weltmeisterschaft verlegt?
Peter Kneffel Die Fußball-WM 2022 findet in Katar statt. Die Verantwortlichen im Weltverband sind sich nicht einig: Geht es dort in Katar in die Gluthitze des Sommers oder wird die Weltmeisterschaft verlegt?

Mit überraschend klaren Aussagen hat FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke für neuen Zündstoff in der Dauerdebatte um die umstrittene Fußball-WM in Katar gesorgt. Zum ersten Mal soll eine Endrunde im Winter stattfinden. Valcke posaunte am Mittwoch den offensichtlichen Wunschtermin des Weltverbandes hinaus – wurde aber nur wenig später wieder zurückgepfiffen. Die Verbandszentrale in Zürich veröffentlichte prompt ein schriftliches Kommuniqué, Exekutiv-Mitglied Theo Zwanziger und Vize-Präsident Jim Boyce widersprachen vehement, und Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge reagierte in Trainingslager der Münchner in Doha „überrascht“ auf das neuerliche öffentliche Vorpreschen des französischen FIFA-Generals.

Das Turnier im Wüstenstaat Katar werde nicht im Sommer 2022 stattfinden, sagte Valcke dem französischen Radiosender France Info und löste damit ein mittelschweres Diplomatie-Erdbeben aus. Es solle stattdessen „zwischen dem 15. November und spätestens dem 15. Januar“ gespielt werden, sagte der Franzose – und ließ zudem offen, ob dies in der Saison 2021/22 oder 2022/23 geschehen solle.

Kaum waren die erstaunlichen Worte in der Welt, verschickte die Presseabteilung des Weltverbandes eine fünfzeilige Stellungnahme, um die neuerlichen Äußerungen ihres immer wieder öffentlich unüberlegt parlierenden Generalsekretärs zu relativieren. Die Entscheidung über den genauen Zeitpunkt für die WM werde wie geplant erst nach der Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Brasilien getroffen. Außerdem obliege diese dem Exekutivkomitee. „Der Beratungsprozess wird nicht überstürzt und bekommt die notwendige Zeit, alle relevanten Elemente in Betracht zu ziehen“, teiltedie FIFA mit.

Termin-Dilemma wegen hoher Temperaturen

„Es gibt noch keinen formalen Beschluss, den Sommertermin aufzugeben, auch wenn die Tendenz klar scheint“, sagte Theo Zwanziger gegenüber Medien. Allerdings betonte der frühere Chef des Deutschen Fußball-Bundes auch, dass wahrscheinlich erstmals in der Geschichte der Weltmeisterschaften ein Turnier im Winter gespielt werde. „Die WM wird in Katar wohl nicht im Sommer ausgetragen werden, deshalb läuft ein Anhörverfahren, ob ein anderer Termin gefunden werden kann“, sagte Zwanziger. Jim Boyce zeigte sich „schockiert“ und sagte: „Stand jetzt bleibt das Turnier im Sommer.“

Mit ihrer WM-Vergabe an das kleine Emirat, in dem im Sommer Temperaturen bis zu 50 Grad herrschen, hatte sich die Exekutive selbst in ein Termin-Dilemma manövriert. FIFA-Präsident Joseph Blatter möchte in jedem Fall eine Kollision mit den Olympischen Winterspielen im Februar 2022 vermeiden. Doch in den Wintermonaten sei das Wetter mit Temperaturen um die 25 Grad in dem Wüstenstaat am erträglichsten.