Jubel in Japan:

Tokio und Ringer feiern ihren Olympiasieg

Japan und die Mattenfüchse jubeln, Spanien und die Türkei trauern. Das 60:36 Tokios gegen Istanbul im Kampf um die Spiele 2020 stürzt das IOC in Erklärungsnot. Wie riskant ist es, Olympia trotz Fukushima an Tokio zu vergeben?

Ringen bleibt vorerst bis zu den Olympischen Spielen 2024 weiter im Programm.
Orestis Panagiotou Ringen bleibt vorerst bis zu den Olympischen Spielen 2024 weiter im Programm.

IOC-Vize Thomas Bach parlierte nach Tokios zweitem Olympiasieg locker über die Münchner Bewerbungspläne für 2022 und seinen persönlichen Gipfelsturm. Der 60:36-Finalsieg der japanischen 35-Millionen-Metropole gegen Istanbul um die Sommerspiele 2020 trotz verschärfter Probleme in der Reaktorruine in Fukushima habe weder auf seine präsidialen Pläne noch auf eine eventuelle Kandidatur der Isarmetropole für die Winterspiele 2022 irgendwelche Konsequenzen, erklärte Bach in Buenos Aires. Der klare Sieg der Ringer im Dreikampf um den letzten freien Platz im Programm der Spiele 2020 und 2024 war für ihn keine Überraschung.

Bach äußerte kein Wort der Kritik an der problematischen Entscheidung, Tokio zum zweiten Mal nach 1964 zum Olympia-Gastgeber zu machen und damit der aufstrebenden Sportmacht Asien den nächsten Milliardengewinn zuzuschanzen – Deutschlands Ober-Olympier wollte in den letzten Stunden seines Wahlkampfs vor dem Votum am Dienstag um das wichtigste Amt im Weltsport keine Wähler mehr verprellen.

Entscheidung für Sicherheit, Tradition und Stabilität

„Das war eine Grundsatzentscheidung für Tradition und Stabilität und gegen den Aufbruch zu neuen Ufern“, sagte der Jurist aus Tauberbischofsheim. Die Olympier verkauften den Zuschlag für Tokio im Dreikampf mit Istanbul und Madrid als Entscheidung für Sicherheit, Tradition und Stabilität, in Wahrheit aber haben sie ihr Schicksal und das ihrer Athleten mit einem schwer beschädigten Atomreaktor verknüpft. 250 Kilometer weiter südlich in Tokio sei das Leben normal und „alles unter Kontrolle“, versicherte Japans Premierminister Shinzo Abe.

Für die vermeintlich verantwortungsbewussten Olympier schien der Nuklearunfall von 2011 weniger bedrohlich zu sein als die spanische Wirtschaftskrise und die Arbeitslosenquote von 26,3 Prozent, die Madrids dritte Kandidatur belastete. Auch Istanbul, gehandicapt durch die kritische innenpolitische Lage in der Türkei und die Nähe zum Bürgerkrieg im benachbarten Syrien, war chancenlos. Das spanische Madrid scheiterte nach einer Stichwahl mit dem Mitstreiter vom Bosporus.

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