Jakob Hafemann:

Zurück auf dem Handballfeld

Wenn am Sonnabend um 18.30 Uhr die Männer des SV Fortuna 50 Neubrandenburg beim Ludwigsfelder HC im Auswärtspiel der Ostsee-Spree-Oberliga gefordert sind, wird Jakob Hafemann wieder mit dabeisein. Der Neubrandenburger war zuvor ein Jahr in Amerika.

Jakob Hafemann auf dem New Yorker Time Square
privat Jakob Hafemann auf dem New Yorker Time Square

Vergangenen Sonnabend in der Sporthalle an der Hochschule in Neubrandenburg. Die Ostsee-Spree-Liga-Handballer vom SV Fortuna ´50 liegen im ersten Saisonspiel 21:22 hinten, zu spielen sind noch zehn Sekunden. Marcus Deutsch passt auf Rechtsaußen Jakob Hafemann, und der versenkt den Ball zum umjubelten Ausgleich… Schlusspfiff, wenigstens einen Punkt gerettet.

„Das war der Moment, auf den ich zwölf Monate gewartet hatte. Ich habe es sehr vermisst, vor diesem Publikum Handball zu spielen“, sagt der 20-Jährige Hafemann, den Fortuna-Trainer Helmut Wilk trotz eines Jahres Handball-Pause in der entscheidenden Phase aufs Feld beorderte. „Jakob war zwar lange weg, aber deswegen hat er ja nicht alles verlernt. Er hat eine gute handballerische Ausbildung hinter sich, und es ist schön, dass er wieder hier ist“, freute sich Wilk, der jetzt eine Alternative mehr in seinem kleinen Spielerkader hat.

Hafemann kam gerade erst aus den USA zurück. Dort hatte er ein freiwilliges Auslandsjahr eingelegt, betreute im 7000-Einwohner-Städtchen Great Barrington in Massachusetts behinderte Menschen. „Eine Riesen-Erfahrung. Die Gegend dort im Berkshire County ist wunderschön, es liegt in den Ausläufern der Appalachen mit viel Wald und Wasser. New York und Boston sind nicht weit weg. Ich war auch an der Westküste, z.B. in Los Angeles und San Francisco. Und abgesehen davon, dass ich jetzt fast perfekt Englisch spreche, habe ich eine Menge Selbstvertrauen gewonnen, viel über die Menschen dort und noch mehr über mich selbst gelernt“, so Hafemann, der sich hauptsächlich um den 21-Jährigen Andy mit dem so genannten Williams-Syndrom gekümmert hat.

„Er war immer voller Energie und sehr aufgedreht. Deshalb waren wir viel in Bewegung, schwimmen, rennen, tanzen. Die Hausmutti sagte, dass bisher noch nie jemand so gut mit ihm klar gekommen ist, wie ich.“ Erstaunlich, da Hafemann keinerlei pädagogische Vorkenntnisse hatte, und auch in Zukunft keine Ausbildung in diese Richtung plant. Fluglotse will er werden.

Aber das Auswahlverfahren bei der Deutschen Flugsicherung DFS ist langwierig, im Moment macht er ein Praktikum beim Computerunternehmen und Fortuna-Sponsor Webbyte Systems in Neubrandenburg.

Dank seiner Oma war Hafemann in Amerika auch in Sachen Fortuna und Handball immer auf dem Laufenden. „Sie hat die Spielberichte aus der Zeitung eingescannt und per Mail geschickt, oder ausgeschnitten und ich habe sie mit der Post bekommen. Und im Internet habe ich mich natürlich auch informiert und ständig Kontakt nach Hause gehabt.“

Seit gut drei Monaten steht fest, dass Hafemann nach seiner Rückkehr nach Deutschland wieder bei Fortuna spielen wird. „Bis dahin habe ich viel Basketball und Fußball gespielt, dann habe ich auch wieder mit Kraft- und Konditionstraining angefangen. Ich bin also nicht völlig außer Form“, sagt der Linkshänder. Trotzdem hat er am vergangenen Sonnabend gemerkt, dass handballerisch noch einiges fehlt. „Der erste Wurf ging noch daneben, und auch beim Tor kurz vor dem Ende sah das glaube ich nicht besonders schön aus. Aber nach einem Jahr Pause ist das klar. Ich muss an allem arbeiten, was zum Handball gehört, v.a. an der Sprungkraft und dem Ballgefühl.“

Am kommenden Sonnabend spielen die Neubrandenburger beim Topteam in Ludwigsfelde. Jakob Hafemann hat dann schon wieder eine Woche Training mehr hinter sich, damit werden seine Einsatzzeiten in den nächsten Punktspielen sicherlich auch immer länger werden.

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