Legendäres Rasendrama im Buchformat:

Ein Einszusieben für die Ewigkeit

Für manche war es nur ein Fußballspiel. Für alle anderen hat ein Sportjournalist aufgeschrieben, was beim WM-Halbfinale 2014 zwischen Deutschland und Brasilien alles so passiert ist – auf und neben dem Platz.

Die deutschen Torschützen und ihre Trainer: Thomas Müller (1:0, oben links - unten rechts), Miroslav Klose (2:0), Toni Kroos (3:0) mit Miroslav Klose, Toni Kroos (4:0) mit Sami Khedira und Miroslav Klose (l), Sami Khedira (5:0), Andre Schürrle (6:0) mit Thomas Müller (l) und Mesut Özil (r), Andre Schürrle (7:0) und Bundestrainer Joachim Löw mit Co-Trainer Hansi Flick (l).
Dpa Die deutschen Torschützen und ihre Trainer: Thomas Müller (1:0, oben links - unten rechts), Miroslav Klose (2:0), Toni Kroos (3:0) mit Miroslav Klose, Toni Kroos (4:0) mit Sami Khedira und Miroslav Klose (l), Sami Khedira (5:0), Andre Schürrle (6:0) mit Thomas Müller (l) und Mesut Özil (r), Andre Schürrle (7:0) und Bundestrainer Joachim Löw mit Co-Trainer Hansi Flick (l).

“Ich muss zugeben: Ich habe mich bis heute nicht erholt.” Dieses Geständnis wurde jüngst von José Maria Marin abgelegt, dem Präsidenten des brasilianischen Fußballverbandes; und der Mann redet von einem Fußballspiel, das jetzt schon mehr als 250 Tage zurückliegt. Die bereits mit dem Abpfiff legendäre 1:7-Niederlage Brasiliens gegen Deutschland im WM-Halbfinale hat viele Menschen beeindruckt, und so verwundert es wenig, dass bereits ein ganzes Buch einem einzigen Fußballspiel gewidmet wurde.

Christian Eichler saß am 8. Juli 2014 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung in Belo Horizonte auf der Tribüne. Mit “7:1 – Das Jahrhundertspiel” hat er das geschafft, was an jenem Tag den meisten Zuschauern vor Ort und an den Bildschirmen noch misslungen ist: Etwas noch nie Dagewesenes, etwas historisch Einmaliges angemessen in Worte zu fassen. Und angemessen meint hier vor allem: ausführlich, fast 300 Buchseiten hat Eichler zu dem Rasendrama geschrieben.

Ausflüge in die Statistik und Psychologie

Handwerklich ist das sehr geschickt gemacht. Statt dröger Kapitel gliedert sich “7:1” in Spielminuten, wobei nicht alle 90 dabei sind, manche sind ausschweifend, manche nur einen Absatz lang. Mit diesem Kniff umschifft der Sportjournalist die Gefahr, sich in den vielen famosen Anekdoten zu verlieren, die er zu dieser Partie zu erzählen weiß. Denn immer, wenn Eichler manchmal doch etwas zu sehr ins fußballliterarische Dauerdribbling abgleitet, kommt schon die Grätsche in Form der nächsten Minute – und Leser wie Autor sind wieder beim Spiel.

Das wird in all seinen jetzt schon so oft wiederholten Stationen unaufgeregt nacherzählt: Von der schnellen deutschen Führung über diese unglaublichen vier Tore in sechs Minuten bis hin zum brasilianischen Ehrentreffer in der Schlussminute. Eichler widmet sich den Geschichten der deutschen Akteure ebenso wie denen der Turniergastgeber, er macht Ausflüge in die Fußballgeschichte, in die Statistik und natürlich in die Psychologie, wenn er erste Reaktionen auf diese sportliche Unerhörtheit detailreich beschreibt. Das geht nicht immer ganz ohne Pathos ab, bereitet aber dadurch profunden Fußballkennern wie Gelegenheitsguckern gleichermaßen Lesespaß.

Seinen wahren Wert dürfte das Buch allerdings erst in vielen, vielen Jahren zeigen. Dann nämlich, wenn die nächste und übernächste WM gespielt und die nächsten Weltmeister ermittelt sind. Wenn das Turnier 2014 längst ein Teil der Sportgeschichte geworden ist und all jene, die dann immer noch genau wissen werden, was sie am 8. Juli 2014 gemacht haben, nochmal nachlesen möchten, was für ein außergewöhnliches Fußballspiel jenes zwischen Brasilien und Deutschland gewesen ist.