Gewaltstatistik:

Hat Hansa ein Fan-Problem?

Sie reisen gern und sie sind viele: Anhänger des Fußball-Drittligisten Hansa Rostock begleiten ihr Team auch zu den entferntesten Spielen. Laut Angaben der Bundespolizei verüben Rostocker Fans dabei die meisten Straftaten.

Randale im Fußball: Ein gesellschaftliches Problem sorgt einmnal mehr für Zündstoff.
Archiv Randale im Fußball: Ein gesellschaftliches Problem sorgt einmnal mehr für Zündstoff.

Nicht nur sportlich hat der FC Hansa Rostock derzeit allen Grund zur Sorge, auch die Fans der Hanseaten machen negativ von sich reden. Während das eigene Team im Keller der Drittligatabelle herumdümpelt, haben es deren Anhänger jedoch ganz an die Spitze geschafft.

Leider handelt es sich bei dem Ranking jedoch um eine von der Bundespolizei erstellte Gewaltstatistik. Wer da ganz oben landet, hat wohl kaum einen Grund stolz zu sein. Veröffentlicht hat die „geheimen Gewaltakte“, wie das Blatt in bekannter Manier titelte, die „Bild-Zeitung“. Aus der laut Bundespolizei ursprünglich als Verschlusssache gedachten Auflistung geht hervor, dass Hansa-Anhänger in der Saison 2013/2014 insgesamt 168 Straftaten in Zügen und auf Bahnhöfen verübt haben. Damit überboten sie ihre ebenfalls nicht gerade als zimperlich geltenden Ligakonkurrenten von Dynamo Dresden deutlich.

„Stigmatisierung“ der Fans

Auf den Rängen drei und vier folgten in seltener Eintracht die beiden Revierclubs Borussia Dortmund und Schalke 04. Im Nordosten wurden die veröffentlichten Zahlen sehr unterschiedlich interpretiert. Während sich Innenminister Lorenz Caffier (CDU) in seinen Warnungen gegenüber Öffentlichkeit und Verein bestätigt sah und zum wiederholten Male einen „Aufstand der Anständigen“ forderte, gab es auch kritische Stimmen zu der Studie selbst.

So erklärte Andreas Schinkendorf, Kriminologe und Polizeiwissenschaftler aus Rostock: „Das Problem an diesen Zahlen ist doch, dass es sich dabei um sogenannte Eingangsstatistiken handelt. Die werden an die Staatsanwaltschaften gegeben. Was dann daraus wird, weiß kein Mensch.“ Soll heißen: Ob die aufgeführten Straftaten vor Gericht auch tatsächlich als solche ausverhandelt werden, spielt für die Erstellung der Statistik keine Rolle.

Überhaupt sieht Schinkendorf eine „Belastungstendenz in Richtung Hansa Rostock“, weshalb ihn auch die jetzt an die Öffentlichkeit gekommenen Zahlen nur wenig überraschen. Er wittert vielmehr eine weiterführende „Stigmatisierung“ der Fans als generell gewalttätig. Schwinkendorf ist Mitglied des FC Hansa Rostock.

Fans äußern Zweifel an den Zahlen

Für den Verein ergriff Rainer Friedrich, Vorstand für Prävention und Stadionmanagement, das Wort: „Wir distanzieren uns als Fußballclub grundsätzlich von Straftaten – unabhängig davon, wo diese stattfinden. Wir haben beim FC Hansa Rostock traditionell sehr reisefreudige  Anhänger, die uns in Größenordnungen bei unseren Auswärtsspielen in ganz Deutschland unterstützen. Somit ist die Wahrscheinlichkeit potenzieller Konflikte unterwegs naturgemäß höher als bei Vereinen, bei denen kaum Fans ihre Mannschaft begleiten.“

Sanftmütige Worte, die bei den eigenen Fans ankommen dürften. Im Internetforum hansafans.de äußerten viele von ihnen Zweifel an den Zahlen der Bundespolizei. Einzelne sahen die Ursache für Hansas zweifelhaften Spitzenplatz auch darin, dass „die Repressionsschraube kräftig angezogen“ wurde.

Ob Fußballdeutschland tatsächlich zu Unrecht die Finger auf Hansa richtet, wird sich schon am kommenden Sonntag zeigen. Dann spielt die erste Mannschaft des FC Hansa Rostock in Dortmund gegen die Bundesliga-Reserve. Nicht wenige der Fans dürften auch dann wieder mit dem Zug anreisen.

Kommentare (3)

Fakt ist: Hansa fällt auf - nicht auf dem Platz sondern daneben! Und dann kommt die Vereinsführung und tut so, als ob nichts gewesen sei. Da werden Raketen gezündet und 2 m weiter gehen Familien mit ihren Kleinkindern (selbst erlebt!). Bekannte Randalierer werden in Graffitis verewigt - und die Vereinsführung findet das gut. Es werden Spieler eingekauft, die in anderen Clubs auf dem Abstellgleis stehen - und die Vereinsführung nickt es ab. Da wird ein Trainer geholt, der einige Zeit zuvor gefeuert wurde - und die Vereinsführung findet es gut. Merken diese Herren eigentlich, wie sie am Neagtivimage des FCH arbeiten? Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, wie die Peinlichkeiten auf dem Platz und außerhalb immer mehr werden. Hört endlich mal auf die WAHREN Fan's und nicht auf solche, die nur auf Randale aus sind. Ein Jugendlicher "Hansafan" sagte mir mal ins Gesicht, dass er nicht zum Spiel geht des Spieles wegen, sondern nur Krawal machen will - denkt mal darüber nach!!!

@JUERGEN1054: Punkt 1: Die Vereinsführung ist die erste, die Fehltritte neben dem Platz verurteilt. Punkt 2: Raketen werden gezündet und 2 Meter weiter gehen Familien mit Kleinkindern. Sie spielen auf Silvester an? Punkt 3:Wer ist in Ihren Augen denn ein Randalierer? Zur Info: Die Personen welche den Abgebildeten auf dem Kunstwerk im Ostseestadion ähnlich sehen haben zum Teil Hausverbote in Stadien gehabt. Und Sie wissen warum sie diese bekommen haben und stempeln diese als "Randalierer" ab? Dies sollten Sie besser unterlassen, da dies eine Verleumdung ist. Weder Sie noch ich wissen warum die Personen ihr Hausverbot hatten. Und falls Sie es noch nicht wussten, Tageszeitungen und Medien welche im Allgemeinen mit geringen Auflagen zu kämpfen haben, neigen häufig zu reißerischen Übertreibungen. Fallen sie nicht unüberlegt auf solche Titel rein. Punkt 4: Was für Spieler sollten denn zu Hansa gelockt werden? Sollte man vielleicht Toni Kroos wieder zurück holen? Der ist momentan ja ganz gut, oder? Punkt 5: Als Trainer vielleicht Jürgen Klopp? Ach nein, da siehts momentan nur in der CL gut aus.. Wir brauchen einen, der in der Liga überzeugt. Pep Guardiola?! Kurzum, gehen Sie doch einfach mal zur Geschäftsstelle und bieten sich als Berater des Vorstandes an- oder besser, lassen Sie sich durch den Aufsichtsrat gleich zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Sie haben mein uneingeschränktes Vertrauen, Sie scheinen eine kompetente und umsichtige Alternative für den Chefposten zu sein.

Es ist mehr als nur bedenklich wenn ein Mitarbeiter der Polizei und bekennender fanatischer Hanse-Fan unter dem Deckmantel pseudowissenschaftlicher Pauschalaussagen die Tatsachen ins Gegenteil verdreht. Das ist ein Fall von Amtsmissbrauch und sollte ein Disziplinarverfahren zur Folge haben. Hier wird vorsätzlich versucht Gewalt zu verharmlosen und das ausgerechnet im Namen der Polizei!!!