Nationalismus-Debatte:

Grüne Jugend löst mit Aufruf zu Fahnenverzicht bei EM Shitstorm aus

Fahnen sind nach Ansicht der Grünen-Nachwuchsorganisation in Rheinland-Pfalz Ausdruck von Nationalismus. Deswegen sollten Fans bei der Fußball-EM darauf verzichten. Im Netz gibt es zahlreiche negative Reaktionen, sogar die Bundespolitik wird auf den Plan gerufen.

Die Grüne Jugend möchte, dass die Fußball-Fans ihre Fahnen zu Hause lassen.
Daniel Reinhardt Die Grüne Jugend möchte, dass die Fußball-Fans ihre Fahnen zu Hause lassen.

Fans sollen bei der Fußball-Europameisterschaft auf Fahnen verzichten - mit dieser Forderung hat die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Am Freitagabend hatte die Grünen-Nachwuchsorganisation über die sozialen Medien Facebook und Twitter erklärt "Patriotismus=Nationalismus. Fußballfans Fahnen runter!". Das sorgte - nicht nur im Internet - für Aufsehen.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) twitterte am Sonntagmorgen: "#GrüneJugend kapiert's nicht: Fahnen der Fans sind das Gegenteil der Fahnen von einst: Symbol für weltoffenes, sympathisches Deutschland!" Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner erklärte: "Grüne Jugend fordert Fußballfans auf, dte. Fahne einzurollen, würde Nationalismus befördern. Verlangten wir das von anderen, wärs Rassismus."

Gesunder Patriotismus und Spaßbremsen

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der "Bild am Sonntag", die Unterstützung der Nationalelf mit den Nationalfarben sei gesunder Patriotismus. "Besser Patriot als ein Idiot". Der SPD-Politiker Johannes Kahrs schrieb: "wie peinlich ist denn das. jetzt häng ich mir wieder ne deutschland flagge über den strandkorb. jawohl."

Sogar aus den eigenen Reihen gab es Kritik: "Ganz schöne Spaßbremsen", sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Vizepräsident der Parlamentsfußballmannschaft FC Bundestag, Dieter Janecek, dem "Handelsblatt" und fügte an: "Eine Fahne hab ich zu Hause nicht, freu mich aber über die friedliche Begeisterung für unsere vielfältige Mannschaft."

Zahlreiche Kommentare mit Verstößen

Die Grüne Jugend argumentierte, dass Nationalismus eine Form von Patriotismus sei. Wer sich als patriotisch definiere, grenze andere aus. "Die Wirkung von Patriotismus hat immerzu Konsequenzen und wird besonders dort deutlich, wo er sich als aggressive Form darstellt und das Andere als Feind stigmatisiert."

Über Facebook wurde der Beitrag bis Sonntagabend mehr als 8000 Mal geteilt und kontrovers diskutiert. Die Grüne Jugend berichtete von mehreren hundert Kommentaren, die "beleidigend, volksverhetzend oder konkrete Bedrohungen" seien und kündigte Strafanzeigen an. "Es war nie unsere Absicht, Menschen unter Generalverdacht zu stellen", erklärte die Sprecherin Jennifer Werthwein. "Die vielen Hasskommentare, die sexistischen Äußerungen und die Nazi-Propaganda unter unserem Facebook-Post zeigen, dass dieser "unverkrampfte" Patriotismus doch nicht so harmlos daherkommt, wie es von manchen allzu oft behauptet wird."