Chaos an der Küste:

Hansas Weihnachtspackung - schwere Randale und Abstiegsplatz

Brutale Ausschreitungen begleiteten das Ostderby zwischen dem Fußball-Drittligisten aus Rostock und Dynamo Dresden. In diesem grausamen Chaos geriet das sportliche Geschehen fast völlig in den Hintergrund.

Chaotisches Drittliga-Spiel zwischen Hansa und Dresden. Zuerst musste die Partie für gut zehn Minuten unterbrochen werden, weil im Dresdner Block Pyrotechnik gezündet wurde. Nach dem Abpfiff griffen Rowdys dann Polizisten an.
Andy Bünning Chaotisches Drittliga-Spiel zwischen Hansa und Dresden. Zuerst musste die Partie für gut zehn Minuten unterbrochen werden, weil im Dresdner Block Pyrotechnik gezündet wurde. Nach dem Abpfiff griffen Rowdys dann Polizisten an.

Die schweren Krawalle am Rande der Drittliga-Partie zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden sollen ein politisches Nachspiel haben. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kündigte am Sonntag an, bei der nächsten Innenministerkonferenz mit seinen Länderkollegen besprechen zu wollen, „wie wir konsequent gegen die Rädelsführer der Ausschreitungen vorgehen können“. Nicht nur die Zahl der Angriffe auf Polizisten, sondern auch die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit Fußballspielen nehme insgesamt zu.

Laut dem im Oktober vorgestellten Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze ZIS der Polizei stieg die Zahl der Strafverfahren am Rande von Spielen der 1. und 2. Liga im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent, in der 3. Liga um 13 Prozent.

Caffier sagte, er erwarte von der Hansa-Clubführung und Fanvertretern, dass sie sich „ganz klar von diesen Aktionen distanzieren und gemeinsam mit der Polizei die Ereignisse prüfen, analysieren und auch entsprechende Sanktionen für die kommenden Spiele prüfen“. Hansa könne sich keinen weiteren Image-Schaden leisten.

13 Polizeibeamte verletzt

Bei den Ausschreitungen in Rostock wurden nach Polizeiangaben am Samstag 13 Beamte verletzt. „Mehrere Hundert Personen, die dem Fanspektrum des Vereins Hansa Rostock zuzurechnen sind“, bewarfen demnach Polizisten und Gebäude mit Steinen. An einer Polizeiwache wurden durch Steinwürfe mehrere Fensterscheiben beschädigt. Der Sachschaden beläuft sich nach Polizeiangaben auf 40 000 Euro. Mehrere Mülltonnen und Sperrmüllhaufen seien angezündet, an sieben Fahrzeugen von Dresdner Fans Reifen zerstochen worden.

Vereine distanzieren sich von den Straftätern

„Für das Verhalten dieser Straftäter haben wir überhaupt kein Verständnis! Der Einfluss eines Fußballvereins hat jedoch gewisse Grenzen, weshalb wir für diese Straftaten Einzelner keine Verantwortung übernehmen können und wollen. Personen, die auf andere Menschen mit Steinen werfen und somit Verletzungen und Schlimmeres billigend in Kauf nehmen, haben in der Hansa-Familie keinen Platz! Diese Personen sind ein klarer Fall für die Strafverfolgungsbehörden!“, sagte Rainer Friedrich, Vorstand für Stadionmanagement und Prävention beim FC Hansa, am Sonntag in einer Stellungnahme des Vereins.

Nach verlorenem Spiel sinkt Kogge immer tiefer

Schon während des Spiels war es zu Ausschreitungen gekommen. Die Partie musste für zwölf Minuten unterbrochen werden, nachdem Dynamo-Anhänger im Gästeblock Pyrotechnik gezündet hatten. Dresden gewann das Spiel mit 3:1 (1:0). Damit ist Hansa am letzten Spieltag der Drittliga-Hinrunde erstmals auf einen Abstiegsplatz zurückgefallen und hat zwei Punkte Rückstand zum rettenden Ufer – sprich Platz 17. „Das ist natürlich deprimierend“, meinte auch Trainer Peter Vollmann. Vor 20 500 Zuschauern erzielte Mathias Fetsch (25., 62., 87.) die Treffer für die Sachsen, die nach sechs sieglosen Spielen in Folge erstmals wieder gewannen. Hansa hatte zwischenzeitlich durch Julian Jakobs (52.) ausgeglichen. Am kommenden Sonnabend empfängt Hansa um 14 Uhr Preußen Münster.

Weiterführende Links

EM-Kurier digital: 6 Wochen lang zum Sonderpreis lesen!