Kanu:

Kanu-WM als neue Chance für Sorgenkinder

In Moskau soll alles besser werden: Nach der EM-Pleite in Brandenburg steht der Neubrandenburger Kanute Martin Hollstein im deutschen Flaggschiff unter Druck. Mit Blick auf Rio muss der Kajak-Vierer endlich Fahrt aufnehmen.

Der Neubrandenburger Kanute Martin Hollstein tritt bei der WM in Moskau an.
Heiko Brosin Der Neubrandenburger Kanute Martin Hollstein tritt bei der WM in Moskau an.

Die Erinnerung an die Heim-EM schmerzt bei einigen deutschen Kanuten doch mächtig. „Der Frust nach dem Verpassen des Endlaufes war schon riesig. Wir hatten uns einfach viel mehr vorgenommen“, meinte auch Peking-Olympiasieger Martin Hollstein.

Der Neubrandenburger fuhr im Vierer-Kajak mit seinen Partnern Marius Radow, Martin Schubert und Kai Spenner in Brandenburg ein eher mäßiges Rennen. Danach gab es aufmunterndes Schulterklopfen von den Team-Kameraden und einen Vertrauensbeweis des Bundestrainers: Die „vier Musketiere“ bekommen in Moskau bei der WM eine neue Chance, die Scharte auszuwetzen. Getreu dem Motto: Hinfallen kann man, man muss nur wieder aufstehen. Und: Schlechter kann es nicht mehr werden mit dem deutschen Großboot. Am kommenden Wochenende wollen vier Kanuten das Vertrauen zurück zahlen.

Drei knüppelharte Trainingswochen

Was auf die EM-Pleite folgte, waren drei knüppelharte Trainingswochen. Nach der Analyse der Brandenburg-Schmach ging der Blick nach vorn – Arbeit an den Baustellen. „Wir haben gesehen, dass wir auf den ersten Metern bei der EM gut dabei waren, aber hinten ist unser Boot auseinandergebrochen. Daran haben wir gearbeitet. Neben hartem Krafttraining ging es immer wieder im Vierer aufs Wasser. Wir haben kräftig an unserem Rhythmus gearbeitet“, erzählt Schlagmann Martin Hollstein. Nach den Trainingseinheiten haben Marius Radow und Martin Schubert die Plätze getauscht – und jetzt soll es in Moskau besser werden.

Am Dienstag um 7.30 Uhr ging es für die deutschen Kanuten per Bus ab Kienbaum nach Berlin-Schönefeld. Start der Maschine war dort um 9.50 Uhr. „Moskau wir kommen!“ – für Hollstein ist es in der russischen Hauptstadt die Premiere. „Ich bin hier noch nie an den Start gegangen. Mal sehen, was wird!“ Trotz der EM-Erinnerung soll an der Moskwa alles besser werden. Minimalziel ist der Endlauf – und dann wollen die Vier auch in den Medaillenkampf eingreifen. „Wir haben gesehen, dass wir nicht so weit weg waren. Wir wollen den Anschluss an die Spitzenboote schaffen. Wir wissen auch, dass dafür alles zu hundert Prozent stimmen muss“, sucht Hollstein keine Ausreden und nimmt seine Crew in die Pflicht. Zumal die vier Sportler von Seiten der Verbandsverantwortlichen jede Unterstützung haben. Und auch der Bundestrainer Reiner Kießler ist mit Blick auf die Groß-Boote zuversichtlich: „Wir glauben, dass wir das noch hinkriegen.“

Längst geht der Blick Richtung Olympia

Ein Erfolgserlebnis des DKV-Flaggschiffes hätte zudem mächtig Wirkung über die WM hinaus. Immerhin geht es dann bei den Welttitelkämpfen in einem Jahr in Mailand bereits um die Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Rio. Topleistungen sind Pflicht, um frühzeitig mit einer großen Mannschaft für Olympia planen zu können. Die Groß-Boote waren bisher die Sorgenkinder – international nicht konkurrenzfähig.

Genau das soll sich schon am kommenden Wochenende in Moskau ändern. Dafür will Schlagmann Hollstein den Takt vorgeben.

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