Einer der besten Bahnfahrer begeht Jubiläum:

König vom Bergring feiert seinen 60.

Von 1976 bis 1986 dominierte ein Mann vom MC Lübbenau die Konkurrenz auf der Teterower Grasbahn. Ein schlimmer Unfall beendete dann aber abrupt die Karriere von Dietmar Lieschke.

Einer der Lieblingsplätze von Dietmar Lieschke  (Mitte) - beim Fachsimpeln im Bergring-Fahrerlager kann man den Mann vom MC Lübbenau immer finden.
Udo Zander Einer der Lieblingsplätze von Dietmar Lieschke  (Mitte) - beim Fachsimpeln im Bergring-Fahrerlager kann man den Mann vom MC Lübbenau immer finden.

Im Prominenten-Hain auf dem Bergring steht ein Baum, gepflanzt zur Erinnerung an die phantastischen Rennen von Dietmar Lieschke. Nur ganz wenigen Bahnassen wurde bisher diese große Ehre zuteil - neben Lieschke zum Beispiel noch Artur Flemming, Erich Bertram und Hermann Gunzenhauser. Zählt man die Triumphe in den beiden Hauptrennen Bergringpokal und Goldhelm (heute Grünes Band), dann ist Lieschke, der am kommenden Freitag seinen 60. Geburtstag feiert, der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten auf der schönsten Grasbahn Europas. Siebenmal gewann der in Doberlug-Kirchhain Geborene von 1976 bis 1986 beide Trophäen; dabei gelang ihm sechsmal das Doppel, eroberte der Mann vom MC Lübbenau jeweils beide Pokale. 14-mal war der Ingenieur für Kraftwerks- und Maschinenbau DDR-Meister auf Sand- und Grasbahnen, viermal Speedway-Vizemeister.

Lieschke erlitt schwerste Kopfverletzungen

Ein schlimmer Unfall bei einem Heimrennen im Oktober 1986 beendete jäh die bis dahin einmalige Karriere. Lieschke erlitt schwerste Kopfverletzungen, schwebte lange in Lebensgefahr, lag im Koma. Ein ganzes Jahr musste er in Krankenhäusern zubringen. Drei weitere Jahre benötigte Lieschke, um - maßgeblich unterstützt durch seine Frau Kathrin - den Weg ins Leben zurückzufinden. Der einstige Bergring-König musste wieder Sprechen, Gehen, Lesen und Schreiben lernen. Nur langsam kehrte auch das Erinnerungsvermögen zurück.

Fans haben ihn nie vergessen

"Wäre mein linker Arm in Ordnung, wäre ich heute noch dabei", meinte der frühere Publikumsliebling zwanzig Jahre nach dem Unglück bei einem seiner Besuche zu Pfingsten. Fast jedes Jahr kommt Lieschke zum Bergringrennen, um unter anderem als Sozius eine Ehrenrunde zu drehen. Begleitet vom unbeschreiblichen Jubel der Fans, die ihn nie vergessen haben.

"Das alles ist der Berging - eine großartige 1877 Meter lange Grasbahn mit Links- und Rechtskurven, mit tollem Publikum und Gegnern von Weltklasse", geriet Lieschke jedes Mal schnell ins Schwärmen. "Natürlich passieren auch Unfälle. Ich selbst kann bekanntlich ein Lied davon singen. Aber bei Rennen verunglücken viel weniger Leute als auf der Straße. Die Fahrer sind gut trainiert und kennen das Risiko. Außerdem - beim Radsport, Turnen oder Boxen hat es ebenfalls schon schlimme Unfälle gegeben. Wer sich im Hochleistungsbereich bewegt, geht nun mal immer auch ein gewisses Risiko ein." Trainiert fleißig, macht euch im Winter fit, holt euch Kraft in die Arme, hatte das einstige Bahnsport-Ass, das sein erstes Rennen übrigens 1972 auf der Gnoiener Sandbahn bestritt, den jungen Fahrern immer geraten. "Und sie müssen diese einmalige Bahn genau studieren, mutig sein - aber um Gottes willen nicht übermütig werden."

Ganz sicher wird Dietmar Lieschke die Nachrücker zu Pfingsten 2015 wieder genau beobachten. Dann, wenn der Bergring seinen 85. Geburtstag feiert und das 95. internationale Rennen steigt.