Sommermärchen-Affäre weitet sich aus:

Netzer verklagt Zwanziger wegen erfundener Aussage

Eine neue Runde im Streit um das Sommer-Märchen ist eröffnet. Doch der frühere DFB-Boss zeigt sich wenig beeindruckt.

Theo Zwanziger wird Verleumdung vorgeworfen.
Steffen Schmidt Theo Zwanziger wird Verleumdung vorgeworfen.

Die wilde Schlammschlacht um die Sommermärchen-Affäre entwickelt sich voraussichtlich zum Fall für die Gerichte. Günter Netzer droht dem früheren DFB-Präsidenten mit Klage. Zwanziger hat bis Freitag Zeit, um Behauptungen zu unterlassen, wonach er von Netzer erfahren habe, dass das Bewerbungskomitee die Stimmen der vier asiatischen Vertreter in der Fifa-Exekutive bei der WM-Vergabe gekauft habe. Zwanziger zeigte sich unbeeindruckt von der drohenden Klage und setzte seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach mit weiteren Anschuldigungen unter Druck.

Wenn Zwanziger bei seiner Behauptung gegen Netzer bleibt, soll eine Unterlassungsklage folgen. „Entweder er verpflichtet sich, die Verleumdungen künftig zu unterlassen oder er muss sich vor Gericht verantworten. Die Wahl liegt bei ihm“, sagte Netzers Anwalt Ralf Höcker. Zugleich führte er an, dass Netzers Frau bei dem Treffen im Herbst 2012 mit am Tisch gesessen habe und den Inhalt der Unterredung auch bezeugen könne. Netzer betonte: „Ich weiß, dass ich solche Verleumdungen leider noch aufwerte, wenn ich den Rechtsweg beschreite. Aber es gibt einen Punkt, an dem man so etwas nicht mehr einfach ignorieren kann. Und der ist jetzt gekommen.“

Zwanziger blieb gelassen: „Es ist sein gutes Recht, seinen Standpunkt auf diesem Wege zu vertreten, wichtiger wäre es allerdings zur Aufklärung beizutragen.“

Sein Nachfolger Niersbach lässt den drängenden Bundestag unterdessen auf Antworten warten – und geriet durch Aussagen Zwanzigers weiter in die Defensive. „Es war 2002 kein Alleingang von Franz Beckenbauer, die Führungsspitze des OK war eingeweiht, also Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Fedor Radmann“, sagte Zwanziger.

Als Kronzeugen verwendet der frühere Chef des DFB den damaligen Organisationskomitee-Vorsitzenden Franz Beckenbauer. Dieser hatte nach seiner Aussage vor den externen DFB-Ermittlern Fehler eingeräumt und das Verhalten anderer Beteiligter „teilweise als unsäglich“ bezeichnet. Niersbach behauptet, vor 13 Jahren von einer Zahlung an die Fifa-Finanzkommission noch nichts gewusst zu haben.

Im Zentrum der Affäre steht eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro. Diese soll laut Niersbach an die Finanzkommission der Fifa gegangen sein. Durch diese Zahlung soll das Organisationskomitee eine Unterstützung in Höhe von 170 Millionen Euro erhalten haben. Zwanziger sprach von einer „schwarzen Kasse“. Den im Raum stehenden Vorwurf eines Stimmenkaufs wies der DFB mehrfach zurück.

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