Parole Aufstieg:

Geht es für die TSG in die 3. Liga?

Am Mittwoch steigt im Neustrelitzer Parkstadion das erste von zwei Endspielen um die 3. Liga. Die TSG trifft auf Mainz 05. Ein Erfolg der Männer von Trainer Thomas Brdaric wäre für die Region ein Glückstreffer.

Auf Sürmer Dino Medjedovic und seine Tore zählen die Neustreltzer.
Matthias Schütt Auf Sürmer Dino Medjedovic und seine Tore zählen die Neustreltzer.

Warum wird die Relegation überhaupt nötig?
Das ist eine Entscheidung des DFB und nicht nur TSG-Präsident Hauke Runge findet es ungerecht, dass ein Regionalliga-Erster nicht automatisch hochgeht. „Es ist die einzige Liga in Deutschland, wo der Meister nicht automatisch aufsteigt“, so Runge. Hintergrund dieser Regelung: Durch den Aufbau der Nordost-Liga gibt es derzeit fünf Regionalligen, sprich fünf Meister. So viele Auf- und Absteiger waren dem DFB zu viel. Somit wurde die Relegation „erfunden“. Der Südwest-Verband bekam dabei als stärkster Regionalverband zwei Startplätze. So kam es zu den drei Relegationsspielen.

Nun also Mainz II als letzter Stolperstein vor dem Aufstieg. Welche Chancen hat die TSG?
Der Neustrelitzer Präsident hat es auf den Punkt gebracht: „Die Chancen stehen 50:50, aber wir wollen mit einem Heimsieg den Grundstein für den Aufstieg schaffen. Ich bin sicher, der Trainer wird die Jungs perfekt einstellen.“ Allerdings sind die Bundesliga-Reserven allesamt sehr spielstarke Mannschaften und verfügen über technisch gut ausgebildete Spieler. Routinier Michael Falkenmayer vom FSV Mainz 05 II glaubt, dass in den Relegationsspielen die Moral eine wichtige Rolle spielen wird. „Es wird entscheidend sein, dass die Einstellung stimmt. Bereits in der gesamten Saison haben wir einige Spiele wegen unserer Mentalität für uns entschieden“, sagte der 31 Jahre alte Defensiv-Spezialist aus Mainz.

Wie stark ist Mainz?
Die Mainzer sind in der Südwest-Staffel Dritter hinter Sonnenhof Großasbach und Freiburg II geworden. Da Freiburg II nicht antreten wollte zur Relegation, kam der Klub aus der Karnevalshochburg zum Zuge. Aber Vorsicht: Die Südwest-Staffel ist wohl die stärkste Regionalliga. Und, die Mainzer Amateure haben unter Trainer Martin Schmidt, einem Schweizer, eine enorme Entwicklung genommen. „Wir haben in den letzten 50 Spielen rund 100 Punkte geholt. Das zeigt unsere Konstanz“, so der Schweizer. TSG-Co-Trainer Marco Weißhaupt hat die Mainzer bereits beobachtet. Mit diesen Infos wird Brdaric die richtige Taktik finden.

Wie verliefen die Generalproben der Teams?
Beide Teams kommen nach dem letzten Spieltag in ihren Ligen mit ganz breiter Brust zur Entscheidung. Die Neustrelitzer zeigten beim 5:0-Heimerfolg über den 1. FC Union II deutlich ihre Heimstärke. Und Mainz ließ beim 3:1 bei Wormatia Worms erkennen, dass man durchaus auch auswärts zu siegen versteht.

Was spricht für die TSG?
Vor allem die Heimstärke: Von 15 Ligaspielen konnten die TSG-Kicker 14 gewinnen und ließen nur ein Remis zu. Besonders gegen Mit-Favoriten, wie Magdeburg, haben die Brdaric-Schützlinge auch mentale Stärke gezeigt. Zudem dürften beim Heimspiel die vollen Ränge großen Rückhalt geben. 2500 Karten sind bisher verkauft – der Verein rechnet mit 3500 bis 4000 Fans, darunter auch 80 aus Mainz. So dürften die blau-weißen Fahnen deutlich überwiegen. In solch engen Partien könnten die Ränge tatsächlich zum zwölften Mann werden. Überdies hat Trainer Thomas Brdaric in den zurückliegenden Monaten ein verschworenes Team geformt, das von der Abwehr bis zum Angriff funktioniert. Ein Handicap ist sicher die Verletzung von Top-Torjäger Velimir Jovanovic. Bis morgen hat die Physio-Abteilung harte Arbeit vor sich.

Was bedeutet die Relegation für die TSG?
Eine Riesenchance, die sich Spieler, Betreuer und Trainer nach einer tollen Saison regelrecht verdient haben. Selbst die härtesten Fans der Neustrelitzer hätten vor Saisonbeginn nicht mit einer solchen Gelegenheit gerechnet, als Provinzstadt auf der Landkarte des deutschen Fußballs zu erscheinen. Nun winken mit einem Mal die Derbys gegen Hansa Rostock und Dynamo Dresden. Allein sechs ehemalige DDR-Oberligisten tummeln sich gegenwärtig in Liga drei. Da wäre ein Neustrelitzer Aufstieg in diesen illustren Kreis ein immenser Werbeeffekt für die Stadt und die Region. Zudem: Wenn am Sonntag um 16 Uhr feststeht, dass die TSG aufgestiegen ist, beginnen zeitnah die Umbauarbeiten im Parkstadion. Ein Schmuckstück soll da entstehen.

Kann sich die TSG diese Profi-Liga leisten?
Solides Wirtschaften ist Markenzeichen der Neustrelitzer, das Sponsoring wurde auf ganz breite Schultern verteilt. Auch die Regionalliga wurde mit einem eher durchschnittlichen Etat absolviert. Das Prinzip, auf junge Spieler zu setzen und diese besser zu machen, wird auch in einer möglichen Drittliga-Saison Leitschnur bleiben. Präsident Hauke Runge erklärte, dass bis zum heutigen Stichtag alle geforderten Nachbesserungen des DFB erfüllt sind.

Was passiert, wenn es nicht mit dem Aufstieg klappt?
Gelinde gesagt nichts, außer, dass eine Riesenchance vertan wurde. Die gewonnene Nordost-Meisterschaft war eigentlich schon das Non-Plus-Ultra für die Spieler vom Parkstadion. Der Aufstieg wäre das Sahnehäubchen. Und in der Tat, angesichts der Voraussetzungen, ein kleines Fußball-„Wunder“.

Der Nordkurier-Tipp!
Es wird verdammt eng. Vielleicht kann die Heimstärke der Neustrelitzer tatsächlich den entscheidenden Vorteil bringen. Es lohnt sich auf alle Fälle dabei zu sein – es könnte Großes passieren! Vor einem Jahr stieg Nordost-Vertreter RB Leipzig auf. Nachmachen ist durchaus erwünscht.

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