Erneuter Aufschub in Rostock:

Prozess gegen mutmaßlichen Hooligan benötigt dritten Anlauf

Wegen versuchten Totschlags am Rande eines Fußballspiels steht ein Mann vor Gericht.

Die Polizei sichert den Innenhof im Landgericht Rostock (Mecklenburg-Vorpommern), wo ein Prozess gegen einen Rostocker Fußballfan wegen versuchten Totschlags stattfindet.
Bernd Wüstneck Die Polizei sichert den Innenhof im Landgericht Rostock (Mecklenburg-Vorpommern), wo ein Prozess gegen einen Rostocker Fußballfan wegen versuchten Totschlags stattfindet.

Erneuter Fehlstart des Prozesses im Rostocker Landgericht gegen einen mutmaßlichen Rostocker Hooligan wegen versuchten Totschlags. Die Verteidigung rügte am Donnerstag die Besetzung des Gerichts, danach seien die Schöffen nicht ordnungsgemäß ausgewählt worden. Die ausführliche Begründung des Verteidigers dauerte länger als eine halbe Stunde, er verwies dabei auf das Grundgesetz und die höchste Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. Hintergrund ist nach Ansicht der Anwälte, dass die Schöffen aus einer falschen Liste ausgewählt worden seien.
Nach einer Beratung wollte der Vorsitzende Richter den Prozess mit der Anklageverlesung beginnen und die Entscheidung über die Rüge vertagen. Dies führte zu einem Befangenheitsantrag. Die Kammer wolle ihre Macht demonstrieren und habe sich über die Argumente der Verteidigung hinweggesetzt, hieß es darin. Es sei dem Angeklagten und den Zeugen nicht zuzumuten, dass der schon begonnene Prozess erneut wieder gestartet werden müsse. Das Gericht unterbrach darauf die Verhandlung bis kommenden Dienstag. „Irgendwann werden wir auch bestimmt über die Sache verhandeln“, kommentierte der Richter die erneute Unterbrechung.

Der 32-jährige Angeklagte soll aus einer Entfernung von etwa acht Metern einen gut zwei Kilo schweren Pflasterstein auf einen Polizisten geworfen haben. Der Beamte wurde dabei verletzt. Zu der Tat soll es am Rande des Drittligaspiels zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden im November 2014 gekommen sein.

Der erste Versuch, den Prozess zu starten, war Anfang Juni gescheitert, weil einem der Verteidiger die Ladung zu spät zugestellt worden war. Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft und hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die Verzögerung führt nun dazu, dass sich das Oberlandesgericht der Sache annehmen und die Untersuchungshaft des Angeklagten überprüfen muss. In dieser Woche war die Halbjahresfrist abgelaufen, die ein Beschuldigter ohne Prozess in U-Haft sitzen darf. Nach sechs Monaten muss die Haft laut Gesetz überprüft werden.