Teure Vertragsamateure:

Wie der Mindestlohn Fußballvereine in der Region belastet

Seit Jahresbeginn gilt: Vertragsamateure dürfen nicht weniger als 8,50 Euro in der Stunde verdienen. Viele Clubs sind verunsichert.

Kein sorgenfreier Blick in die Zukunft: Wie stark der Mindestlohn die TSG Neustrelitz belastet, können Geschäftsführer Andreas Kavelmann (r.) und Schatzmeister Toralf Haarnack (l.) noch nicht genau sagen.
Benjamin Vorhölter Kein sorgenfreier Blick in die Zukunft: Wie stark der Mindestlohn die TSG Neustrelitz belastet, können Geschäftsführer Andreas Kavelmann (r.) und Schatzmeister Toralf Haarnack (l.) noch nicht genau sagen.

Nach den Feierlichkeiten zum neuen Jahr dürfte der Kater in manchen Sportlerheimen in der Region heftiger ausgefallen sein als sonst. Das lag weniger am Alkohol als an den seit dem 1. Januar geltenden Regeln zum Mindestlohn. Zwar fallen nach Angaben des Deutschen Fußball Bundes (DFB) ehrenamtliche Tätigkeiten nicht unter den Mindestlohn.

Laut Joachim Masuch sind aber Vereine betroffen, die Vertragsamateure in ihren Reihen haben. „Ab der Oberliga ist der Mindestlohn ein Thema“, sagt der Präsident des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Dementsprechend ungläubig haben sich die Verantwortlichen beim 1. FC Neubrandenburg gegenseitig in die Augen geschaut, als dort die Mindestlohn-Nachricht ankam. In der Oberliga-Mannschaft spielen 12 bis 14 Vertragsamateure. Sie verdienen den vom DFB festgelegten Mindestsatz von 250 Euro, schildert Klaus-Detlef Schnoor.

Der Zeitfaktor ist eine Herausforderung für die Vereine

Der Verein zahle noch 100 Euro pro Spieler an die Berufsgenossenschaft und Unfallversicherung, sagt der Präsident des 1. FC Neubrandenburg. Nach den neuen Mindestlohn-Regeln dürfen Vertragsamateure nun für 250 Euro nur 29 Stunden im Monat spielen.

Die zeitliche Begrenzung sorgt für Unsicherheit. Die große Frage ist, ob Trainings- und Spielbetrieb innerhalb der 29-Stunden-Spanne machbar ist, oder ob die Vereine draufzahlen müssen. An Letzterem führt für Andreas Kavelmann kein Weg vorbei. Der Geschäftsführers der TSG Neustrelitz hält den Zeitfaktor für für eine große Herausforderung. Mindestens fünf bis sechs Spieler seien von den neuen Regeln betroffen.

Mehraufwand wird spürbar werden

Der Regionalligist, bei dem seit Donnerstag wieder der Ball rollt, trainiert vier- bis fünfmal in der Woche. Das entspricht einer Spielzeit von sechs bis siebeneinhalb Stunden. Hinzu kommt ein Pflichtspiel am Wochenende. Im Idealfall hat ein Vertragsamateur im Monat 33 bis 36 Stunden auf dem Konto.

Das wären 290 bis 306 Euro, also ein monatlicher Mehraufwand von mindestens 50 Euro pro Vertragsamateur, rechnet Kavelmann vor. Wie viel der Verein letztendlich zuzahlen muss, ist noch unklar. „Das müssen wir von Monat zu Monat sehen. Die Spieler müssen nun Arbeitsnachweise führen“, sagt Kavelmann. Fest stehe jedoch bereits jetzt schon, dass die TSG an anderer Stelle sparen müsse, etwa bei Projekten im Nachwuchsbereich.

Auch beim 1. FC Neubrandenburg werden nun die geleisteten Stunden der Vertragsamateure dokumentiert. Mehr Geld aufgrund des Mindestlohnes in die Mannschaft stecken will der Verein jedoch nicht. Klaus-Detlef Schnoor setzt auf die Bereitschaft der Spieler, auch unentgeltlich zu spielen. „Dann müssen die Jungs eben in ihrer Freizeit trainieren. Und was in der Freizeit passiert, interessiert keinen“, sagt der Präsident des 1. FC Neubrandenburg.