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Bewohner von Templinatolis sind ihrer Zeit weit voraus

VonSigrid WernerGeschichte zum Anfassen und Miterleben: Die Aktive Naturschule schickt ihre Grundschüler auf eine Zeitreise in die Antike. Als Griechen ...

In der Geschichtswoche beschäftigten sich die Bewohner von Templinatolis auch mit griechischer Kunst. Es entstanden Statuen und Mosaiken.  FOTO: Tom Schweers

VonSigrid Werner

Geschichte zum Anfassen und Miterleben: Die Aktive Naturschule schickt ihre Grundschüler auf eine Zeitreise in die Antike. Als Griechen halten sie Volksversammlungen ab.

Templin.Wenn es um Geschichtsunterricht geht, haben wohl viele die unangenehme Assoziation des elendigen Auswendiglernens und schnell wieder Vergessens.
Dass das auch ganz anders geht, das versucht Geschichtslehrer Frank Sturm an der Aktiven Naturschule Templin mit Beharrlichkeit zu beweisen. Bereits das 12. Mal fand dort jetzt eine Geschichtswoche statt. Dem Lehrplan der 5. und 6. Klasse folgend sollte das Alte Griechenland praxisnah aufbereitet werden.
Die Grundschüler schlüpften fünf Tage lang auf dem Gelände des Alten Joachimsthalschen Gymnasiums in die Rolle der Bewohner einer friedlichen Kolonie von Athen, Templinatolis.
Ebenso gekleidet wie die Menschen 440 Jahre vor Christus trafen sie sich jeden Tag zur Volksversammlung, um demokratisch Rechenschaft abzulegen, Recht zu sprechen, Entscheidungen zu fällen und vor allem – die Olympiade und die 30-Jahr-Feier der Kolonie Templinatolis vorzubereiten. Die Kinder trainierten die alten Sportarten wie ihre Vorfahren vor vielen, vielen hundert Jahren. Sie studierten das Theaterstück „Antigone“ von Sophokles ein, damals gerade vor zwei Jahren verfasst, übten sich im Pentathlon, dem olympischen Fünfkampf mit Speer, Diskus, Sprung, Lauf und Ringen, weihten ihre Waffen. In der Volksversammlung entschieden sie basisdemokratisch, dass auch die Mädchen und Frauen an den olympischen Spielen teilnehmen dürfen und waren damit ihrer antiken Zeit weit voraus. „Sie lernten von innen heraus verstehen, wie die Menschen in jener Zeit lebten“, freute sich ihr Lehrer. Vergessen würden die Kinder die alten Griechen nicht so schnell, ist er überzeugt. Und sogar die Götter waren mit den jungen alten Griechen – zum Festakt mit Schwein am Spieß und Olympiade in Templinatolis: Morgens um acht verschlossen sie die Himmelstore und schütteten den nächsten Regen erst wieder über dem Festplatz aus, als die Kinder längst die Zeitreise zurück ins Templin des 21. Jahrhunderts angetreten hatten.

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