Von wegen harmlose Droge:

Jugendliche unterschätzen die Auswirkungen von Cannabis

Cannabis soll nur eine harmlose Einstiegsdroge sein? Falsch, sagen die Templiner Suchtberaterinnen. Junge Menschen können sich dadurch ihren Lebensweg verbauen.

Cannabis ist die in Deutschland am häufigsten konsumierte illegale Substanz.
Oliver Berg Cannabis ist die in Deutschland am häufigsten konsumierte illegale Substanz.

Jeremy ist 14, als er mit seinen Eltern in die Suchtberatungsstelle Templin kommt. Er konsumiert regelmäßig Cannabis. Dass seine Noten sich verschlechtert haben, er die Schule geschwänzt hat, ist ihm egal. Zur Beratungsstelle hat ihn die Schulleitung geschickt, weil er in der Pause beim Drogenkonsum erwischt wurde. „Cannabis-Konsumenten bilden oft eine verschworene Gemeinschaft. Die Rituale und das gemeinsame Abhängen vermitteln den Jugendlichen den Eindruck, gute Freunde zu treffen“, sagt die Suchtberaterin Ingrid Neunhöffer dazu.

Beim Gespräch in der Beratungsstelle kommt heraus, dass Jeremy schon in der siebten Klasse von älteren Jugendlichen angesprochen wurde. Er bekam die ersten Drogen umsonst und war stolz darauf, akzeptiert zu werden. „Jeremy ist eine erfundene Person, aber Fälle dieser Art sind uns in letzter Zeit mehrmals begegnet. Dass Zwölfjährige in der Schule oder auf dem Schulweg angesprochen werden, ist traurige Realität“, so Marita Janoska aus der Suchtberatungsstelle

Lebenslange Nachwirkungen sind möglich

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Substanz, wie es von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung heißt. Demnach haben 6,7 Prozent der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren und 39,2  Prozent der 18 bis 25-Jährigen Cannabis mindestens einmal probiert. Ungefähr zehn Prozent der regelmäßigen Cannabiskonsumenten entwickeln eine Abhängigkeit, heißt es weiter. Wer schon in jungen Jahren damit beginnt, hat ein sechsmal höheres Risiko, abhängig zu werden. Jugendlicher Cannabiskonsum kann auch die Schulentwicklung negativ beeinflussen, bis hin zur Schulverweigerung oder dem Schulabbruch, mit entsprechenden lebenslangen Auswirkungen.

Wichtig ist, das Gespräch zu suchen

Dennoch sollten Eltern nicht mit Panik reagieren, wenn sie mitbekommen, dass ihre Kinder Cannabis probieren, empfehlen die Suchtberaterinnen. „Wichtig ist, mit den Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. Rigide Verbote helfen meist nicht, sondern machen die Droge nur noch interessanter. Es ist normal, dass Jugendliche neugierig sind“, so Neunhöffer.

Eltern, die unsicher sind, weitere Informationen möchten oder Beratung zum Umgang mit ihrem Kind, können sich an die Suchtberatung Templin wenden. Die Gespräche sind kostenlos, die Beraterinnen unterliegen der Schweigepflicht. Auf Einladung kommen sie auch zum Elternabend oder bieten Präventionsveranstaltungen in Schulklassen an.

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Kommentare (7)

Das sagen nicht irgendwelche Kiffer, sondern das BVerfG 1994 [1], die „Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen” (DHS) und „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung” (BZgA) [2][3][4], sowie das Ergebnis einer von Seehofer in Aufrag gegebenen Studie von Prof. Dieter Kleiber und Prof. Renate Soellner [5]. Davon ab, dass die behauptung im Eistiegstext, Cannabis sei eine Einstiegsdroge falsch ist, gehört es natürlich nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen. Das ist wie schon erwähnt hinreichend belegt, dass der Konsum und vor allem der missbräuchliche Konsum für Jugendliche ein erhebliches gesundheitliches Risiko birgt. Deshalb bin ich auch immer wieder erstaunt, dass krampfhaft an der Aussage festgehalten wird, dass Cannabis verharmlost werde und anscheinend für Jugendliche OK sei. Wer sagt denn bitte sowas? Der Konsum von Cannabis ist für Erwachsene ohne medizinische Disposition im Vergleich zu anderen legalen Drogen relativ sicher [6][7]. Das Problem mit Konsumierenden Jugendlichen ist doch gerade jetzt, wo wir keinen Jugendschutz haben, denn Dealer kümmern sich weder um das Alter der Kunden, noch ob die Ware mit Schadstoffen/Streckmitteln belastet ist. Klar, wenn Cannabis legalisiert und der Martk reguliert wäre, kämen Jugendliche vielleicht durch ältere Freunde an Gras, welches jedoch im Gegensatz zu heute aus kontrolliertem Anbau stammt, nicht gestreckt wäre und zudem dafür nicht der illegale Markt betreten werden muss, welcher einem oft auch harte Drogen anbietet. Wenn also wieder mal die Drogenbeauftragte oder Konsorten mit dem Argument kommen „Denkt doch an die Kinder!”, dann sollte man direkt Antworten: „Mache ich doch, aber warum Sie nicht!?” Wie bitte schützt die momentane Situation bitte unsere Kinder? [1] http://www.cannabislegal.de/recht/bverfg.htm [2] http://www.bzga.de/?id=medien&sid=69&idx=1182 [3] http://www.drugcom.de/topthema/dezember-2008-einstiegsdroge-cannabis/ [4]http://www.drugcom.de/topthema/mai-2011-vom-kiffen-zum-heroin/ [5] http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/ppg/forschung/cannabis/index.html [6] http://www.aerzteblatt.de/archiv/169158/Risiken-bei-nichtmedizinischem-Gebrauch-von-Cannabis [7] http://www.schildower-kreis.de/themen/Pressemitteilung_Grotenhermen_Cannabis.php

Danke für den Kommentar! Aber wenn Sie bei uns kommentieren, dann doch bitte unter einem anderen Pseudonym, das nicht so aussieht, als ob sie im Namen der Redaktion des Nordkurier sprechen.

Da ist wohl was bei der Anmeldung falsch gelaufen. Naja nu ist der Account anscheinend gesperrt...

Manchmal spielt die Technik nicht mit und man weiß nie wieso.

Lieber Nordkurier_2, es steht doch schon im ersten Satz: "Cannabis soll nur eine harmlose Einstiegsdroge sein? Falsch, ..:" Im weiteren Verlauf werden dann die möglichen Auswirkungen aufgelistet, die besonders bei jungen Manschen durch Cannabis-Konsum entstehen können. Ich verstehe also beim besten Willen nicht, was Sie daran stört. Cannabis wird im Text nicht verharmlost, sondern explizit darauf hingewiesen, dass das gängige Stereotyp "Einstiegsdroge" – das sich trotz Studien hält – eben nicht richtig ist.

nicht auf die Einstiegsdroge. Ich werfe auch nicht dem Artikel vor zu verharmlosen, sondern den Legalisierungsgegnern ständig den Legalisierungsbefürwortern zu unterstellen, sie würden Cannabis verharmlosen, was nicht der Fall ist. Wie schon geschrieben bin ich ebenfalls der Ansicht, dass Cannabis nicht von Kindern und Jugendlichen konsumiert werden sollte, doch bin ich der Meinung, dass das jetzige Verbot kontraproduktiv ist.

....wer möchte Cannabis für Jugendliche freigeben? Ich kenne da keinen, weder Parteien, verbände oder sonstige Interessentengemeinschaften. Im Gegenteil, es wird explizit davor gewarnt Kinder und Jugendliche an diese Stoffe ran kommen zu lassen. Eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene könnte Abhilfe schaffen. Denn so würden Kapazitäten freiwerden und man könnte wie in Colorado wirksamen Jugendschutz mit Drug Free Zonen durchsetzen. Dort wird die Abgabe von Drogen in Schulen, Parks, etc. an Jugendliche mit mindestens 5 jahren Gefängnis bestraft. Für 21 jährige ist der Konsum aber freigegeben. Möchte man nun jugendliche schützen dann sollte man sowas in Betracht ziehen. Leider schreiben sie so was nicht über Alkohol weswegen ich mir erlaubt habe Auszüge dieses Artikels zu benutzen um ihnen eine Vorlage zu geben. Und wissen sie was das schönste ist: Ich musste nur das Wort Cannabis mit Alkohol austauschen und es passt trotzdem 1:1. Vielleicht lesen wir demnächst vom Nordkurier einen Artikel über Alkohol der genauso aufgemacht ist wie der jetzige über Alkohol. Hier der Vorschlag: "Jugendliche unterschätzen die Auswirkungen von Alkohol Alkohol soll nur eine harmlose Einstiegsdroge sein? Falsch, sagen die Templiner Suchtberaterinnen. Junge Menschen können sich dadurch ihren Lebensweg verbauen. Jeremy ist 14, als er mit seinen Eltern in die Suchtberatungsstelle Templin kommt. Er konsumiert regelmäßig Alkohol. Dass seine Noten sich verschlechtert haben, er die Schule geschwänzt hat, ist ihm egal. Zur Beratungsstelle hat ihn die Schulleitung geschickt, weil er in der Pause beim Alkoholkonsum erwischt wurde. „Alkohol-Konsumenten bilden oft eine verschworene Gemeinschaft. Die Rituale und das gemeinsame Abhängen vermitteln den Jugendlichen den Eindruck, gute Freunde zu treffen“, sagt die Suchtberaterin Ingrid Neunhöffer dazu. Beim Gespräch in der Beratungsstelle kommt heraus, dass Jeremy schon in der siebten Klasse von älteren Jugendlichen angesprochen wurde. Er bekam den ersten Alkohol umsonst und war stolz darauf, akzeptiert zu werden. „Jeremy ist eine erfundene Person, aber Fälle dieser Art sind uns in letzter Zeit mehrmals begegnet. Dass Zwölfjährige in der Schule oder auf dem Schulweg auf Alkohl angesprochen werden, ist traurige Realität“, so Marita Janoska aus der Suchtberatungsstelle Lebenslange Nachwirkungen sind möglich Alkohol ist die am häufigsten konsumierte legale Substanz, wie es von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung heißt. Wer schon in jungen Jahren damit beginnt, hat ein sechsmal höheres Risiko, abhängig zu werden. Jugendlicher Alkoholkonsum kann auch die Schulentwicklung negativ beeinflussen, bis hin zur Schulverweigerung oder dem Schulabbruch, mit entsprechenden lebenslangen Auswirkungen."