Touristischer Landwirtschaftsbetrieb:

Ein Ei vom „großen Spatz“ reicht für sechs Portionen Rührei

Andrea und Hartmut Rätz in Berkenlatten züchten Strauße. Was vor elf Jahren noch als verrückte Idee galt, hat sich zur Erfolgsgeschichte gemausert.

Ein Hahn (mit schwarzen Federn, ganz rechts) hat immer mehrere Hennen um sich. 
Birgit Bruck Ein Hahn (mit schwarzen Federn, ganz rechts) hat immer mehrere Hennen um sich. 

Als Andrea und Hartmut Rätz 2002 die ersten zehn Straußenküken auf ihren Hof in Berkenlatten holten, wurde das von den Nachbarn durchaus neugierig, aber nicht ohne distanziertes Kopfschütteln zur Kenntnis genommen. So eine verrückte Idee, Strauße statt Schweine! Es waren zunächst auch ausschließlich Urlauber, aus Berlin und von anderswo, die sich an den exotischen Vögeln inmitten uckermärkischer Hügel erfreuten und die ersten Würste und Steaks aus magerem Straußenfleisch kosteten. Andrea Rätz erinnert sich heute lächelnd an den Start und zeigt auf den vollen Parkplatz an der Dorfstraße, auf dem vor allem UM-Kennzeichen zu sehen sind. Es wird Herbstfest und damit der Abschluss der nunmehr 12. Saison auf dem Straußenhof Berkenlatten gefeiert.

Der Name Strauß kommt übrigens aus dem Altgriechischen und bedeutet nichts anderes als „Großer Spatz“. Einer, der allerdings nicht fliegen kann. Straußenzuchten erlebten in Deutschland Anfang der 1990-er Jahre einen Aufschwung, als in Zeiten von BSE nach einer Rindfleisch-Alternative gesucht wurde. Viele Farmen entstanden im Osten als neue Existenzgründungen. Auch für Andrea und Hartmut Rätz, die auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Geschäftsidee waren, stand 2000 nach einem Besuch einer Straußenfarm in Niedersachsen fest: „Das machen wir!“ 

2002 also die ersten Küken, die übrigens nach dem Schlüpfen 25 Zentimeter groß sind und dann Woche für Woche ganze zehn Zentimeter zulegen. Ausgewachsene Hennen bringen es auf 1,80 Meter bei rund 100 Kilo, die Hähne werden bis zu drei Meter groß und drei Zentner schwer. Auf dieses Gardemaß bringt es auch Hugo, der ein Jahr nach den Küken in Begleitung von zwei grau-braun gefiederten Straußendamen nach Berkenlatten kam. „Damit wagten wir uns an die Zucht und hatten 2004 auch die ersten Eier“, erinnert sich die gelernte Bauzeichnerin an den Beginn. Die Eier mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern sind fast zwei Kilo schwer, haben soviel Inhalt wie 24 bis 30 Hühnereier und schmecken auch so. „Von so einem Rührei werden sechs Erwachsene satt“, schmunzelt Andrea Rätz. Heute gibt es auf ihrem Hof fünf Zuchtgruppen, also fünf erwachsene Hähne mit ihrem „Harem“ von mindestens drei Hennen. Vom Frühjahr bis zum Herbst legt eine Henne im Schnitt alle zwei Tage ein Ei, rund 50 je Saison. Sie werden auf dem Hof von Andrea und Hartmut Rätz für die Nachzucht künstlich ausgebrütet. Rund 100 Küken im Jahr.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung