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Handtaschen-Räuber muss einsitzen

Bereits mehrfach kam Robert H. mit dem Gesetz in Konflikt. Und immer wieder wurde er trotz Verurteilung rückfällig. Erst im Dezember überfiel er trotz Bewährungsstrafe erneut einen Menschen. Diesmal hatte der Richter kein Erbarmen mehr.

Im Gerichtssaal verhielt sich Robert H. fast rüpelhaft. Sein Anwalt Christian Schumacher aus Templin hatte Mühe, ihn in die Schranken zu weisen.
Thomas Walther Im Gerichtssaal verhielt sich Robert H. fast rüpelhaft. Sein Anwalt Christian Schumacher aus Templin hatte Mühe, ihn in die Schranken zu weisen.

Wie ein Mensch von 25 Jahren schon so abgebrüht sein kann, das hat selbst das Gericht schockiert. Denn Robert H. aus Templin, der am Donnerstag wegen Diebstahls vor dem Prenzlauer Amtsrichter stand, war erst am 22. Dezember 2014 aus der Untersuchungshaft gekommen, wegen Körperverletzung. Nur fünf Tage später, am 27.  Dezember, versuchte er einer alten Dame in Templin die Handtasche zu stehlen. Und das, obwohl er wegen drei weiterer Diebstähle im März 2014 nur auf Bewährung frei gekommen war. Jetzt sitzt er wieder, in der Justizvollzugsanstalt Wulkow. In den Gerichtssaal führten ihn zwei Justizbeamte in Handschellen vor.

Auch die Verhandlung schien ihn wenig zu beeindrucken. Mit Rechtfertigungen unterbrach er mehrfach Richter, Staatsanwalt und auch Zeugen. Selbst dem eigenen Verteidiger fiel er ins Wort. Und die Aussage des Opfers verfolgte er mit deutlich zur Schau gestellter Langeweile. Er fläzte sich in den Stuhl und verschränkte die Arme über dem Kopf.

74-Jährige leidet unter Ängsten

Die 74-jährige Inge M., ebenfalls aus Templin, schilderte, dass sie bis heute unter erheblichen Ängsten leide. „Ich gehe am Abend nicht mehr aus dem Haus. Ich leide unter Schlafstörungen.“ Der Schock von damals war noch deutlich zu spüren. Umso mehr, da sie vor Gericht noch einmal die Tat genau schildern musste und so den Raub erneut durchlebte. Sie sei an dem Abend bei einer Freundin gewesen. Dort habe sie sich gegen 18.30 Uhr verabschiedet.

Dann sei sie auf der August-Bebel-Straße in Richtung Ehrenmal gegangen. „Plötzlich sah ich auf der Gegenseite einen jungen Mann auf dem Rad, der sehr schnell fuhr.“ Offensichtlich musste er die alte Dame gesehen haben. Denn nach deren Schilderung wechselte der Mann ruckartig die Straßenseite, kam direkt auf sie zu gefahren.  Die Handtasche hatte sie in der linken Armbeuge.

Insulin der Diabetikerin war weg

Dann  ging alles sehr schnell. „Plötzlich kam er direkt auf mich zu, zerrte an meinem Arm, riss mir die Handtasche weg und verschwand.“  Sie habe sich wie im Affekt umgedreht, so erinnerte sie sich weiter, und rannte so schnell sie konnte dem Radfahrer hinterher. In der Tasche befanden sich Geld, Papiere und Brille. Ein Pärchen, das im Auto vorbei kam, sah die Dame, wie sie dem Radfahrer hinterher rannte. Die Frau stieg aus, um sich um die alte Dame zu kümmern.

Der Mann nahm die Verfolgung auf. In der Nähe des Stadions fasste er den Flüchtenden. Inzwischen war die alte Dame in Begleitung der jungen Frau herangekommen. Die Tasche war weg. Und Robert H. bestritt die Tat vehement. Doch das Opfer erkannte ihn an der auffälligen Brille. Unter Schock schilderte sie ihm, warum sie die Tasche brauche. Sie sei Diabetikerin, müsse regelmäßig Medikamente nehmen. Dazu benötige sie die Brille. Und sie brauche ihre Papiere, weil sie häufig zum Arzt müsse.

Täter verhöhnt sein Opfer

Offensichtlich rührte das Robert H.. Er gestand, die Tasche auf der Flucht hinter ein parkendes Auto geworfen zu haben. Dort wurde sie auch gefunden, mit dem gesamten Inhalt. Und er entschuldigte sich sogar bei der alten Dame. Zwar räumte Robert H. die Tat vor Gericht ein, aber in einer sehr viel harmloseren Version. Er hätte Geld gebraucht und hätte unter Alkohol gestanden. Für die Ängste des Opfers hatte er dieses Mal nur Hohn übrig. Er könne auch schlecht schlafen, murmelte er. Mit ihm hätte auch keiner Mitleid gehabt. Wegen der ständigen Prügeleien zwischen seinen Eltern sei er 2011 ins Obdachlosenheim in Templin geflüchtet. Kurz nach Weihnachten 2014 sei er dann Zeuge geworden, wie im Heim ein Mann getötet worden ist.

Vielleicht gibt Robert H.´s bisheriges Leben eine Erklärung für seine Gefühlsarmut und seine Verrohung. Doch das Gericht wollte ein Zeichen setzten. Robert H. muss jetzt für 16 Monate hinter Gitter. Eine Chance auf Bewährung sah auch der Verteidiger nicht mehr.