Mann im Frauenberuf:

Herr Rippen lässt's Kastanien regnen

Noch immer ist der Erzieherberuf eine Frauendomäne. Doch ein junger Uckermärker erfüllt sich mit dieser Ausbildung einen Traum und landet nicht, wie ursprünglich geplant, in der Jugendarbeit. Sondern bei den ganz Kleinen.

Erst hat Kita-Chef Roger Rippen ordentlich geschüttelt. Dann können die Kinder aus der Gerswalder Kita die Kastanien einsammeln. Sie brauchen sie zum Basteln.
Michaela Kumkar Erst hat Kita-Chef Roger Rippen ordentlich geschüttelt. Dann können die Kinder aus der Gerswalder Kita die Kastanien einsammeln. Sie brauchen sie zum Basteln.

Weil der Wind einfach nicht genug Kastanien von den Ästen gepustet hat, klettert Roger Rippen kurzerhand auf den Baum. Der Leiter der Gerswalder Kita "Bienenhaus" rüttelt ordentlich an den Ästen und lässt es Kastanien regnen. Eifrig können die Kinder sie anschließend in Schubkarren und Körbchen einsammeln...

Seit 2010 arbeitet der Uckermärker Roger Rippen in der Gerswalder Kita. Dass er einmal eine Kindertagesstätte leiten würde, hätte er sich während seiner Ausbildung am Oberstufenzentrum Uckermark (OSZ) in Templin nicht vorstellen können. Dort erhielt er von 2004 bis 2007 das Rüstzeug für den Erzieherberuf. "Ich sah mich als alternativer Typ ganz klar im Bereich der Jugendarbeit", erinnert sich Roger Rippen. Das änderte sich, nachdem er während seiner Ausbildung Praktika in einer Kita und einem Hort in Prenzlau absolvierte. "So intensiv Entwicklungssprünge von Kindern mitzuerleben und zu begleiten, das hat mich total begeistert."

Als Leiter der Gerswalder Kita arbeitet er heute mit elf Kolleginnen zusammen. Für die sei es am Anfang ganz sicher auch eine Umstellung gewesen, plötzlich einen Chef zu haben, so der 31-Jährige. Männer, die in einer Kita arbeiten, waren und sind schließlich noch immer die Ausnahme. Das findet Roger Rippen schade, genauso wie die Tatsache, dass im Bereich der Jugendarbeit Frauen in der Unterzahl sind. Wenigstens hat der Gerswalder Kita-Leiter mittlerweile in der Region schon ein paar mehr Kollegen. "Bei uns in der Kita melden sich jetzt auch öfter Praktikanten, die sich für diesen Beruf interessieren. Eltern erleben, dass das funktioniert." Mütter und Väter, die ihren Nachwuchs in Gerswalde betreuen lassen, hat Roger Rippen in dieser Frage von Beginn an offen erlebt.