Lübbeseelauf:

Hornissen erzwingen Kursänderung

Ein Hornissenvolk zieht in einen Nistkasten für Vögel. Ausgerechnet an der Laufstrecke in der Templiner Buchheide, an der am 14. September der Lübbeseelauf stattfinden soll.

Emsiges Treiben am Einflugloch des Hornissennestes.
Uwe Werner Emsiges Treiben am Einflugloch des Hornissennestes.

Ihre „Vereinsfarben“ sind Schwarz und Gelb. Und sie scheinen zu den größten Fans des Lübbeseelaufs zu gehören. Warum sonst sollten sie ihr Domizil genau an der Laufstrecke in der Buchheide beziehen – die Hornissen! „Wir haben bei unserer letzten Streckenbegehung vor dem Wettkampf am Sonnabend wieder ein großes Hornissennest gefunden. An einem Baum in Höhe der Waldkante bei der NaturTherme, genau am Eingang zum Naturerlebnispfad“, berichteten Gisela und Manfred Köppen von der gastgebenden IG Postheim. Das lässt bei den Lauforganisatoren die Alarmglocken schrillen, denn vor Jahren hatte es mit diesen an und für sich harmlosen Großinsekten bereits für viele Läuferinnen und Läufer unliebsame und schmerzhafte Zwischenfälle gegeben. Viele wurden von den aufgeschreckten Tieren gestochen, denn so viele Waldbesucher waren offenbar doch zu viel für sie. Einige Sportler mussten sich wegen allergischer Reaktionen ärztlich behandeln lassen. Andere konnten – wie von der wilden Hornisse gestochen – sogar ihren Halbmarathon zu Ende bringen…

„Um kein Risiko einzugehen, werden wir die Laufstrecke am 14. September verlegen und so zu sagen einen Bogen um das Hornissennest machen“, so die Veranstalter. Pech also für die Hornissen, die diesmal nicht den besten Blick auf die Laufstrecke haben werden!

Ist der Horror, den manche von beim Anblick von Hornissen empfinden, eigentlich begründet? Das wollten wir aus berufenem Munde erfahren, von Ulrich Bräuer, Schädlingsbekämpfer aus Röddelin, der beruflich hin und wieder mit diesen Tieren und ihren imposanten „Bauwerken“ zu tun hat: „Die Angst mancher Leute ist angesichts der Größe der Insekten, die zu den heimischen Wespen gehören, verständlich. Immerhin werden die Königinnen bis 35 Millimeter groß. Die Arbeiterinnen bringen es auf 18 bis 25 Millimeter und die Drohnen auf 21 bis 28 Millimeter“, sagt er. Ein Hornissenvolk besteht aus 400 bis 700 Tieren. Ihr Nest, das eine papierartige Konsistenz hat, bauen sie aus zerkautem Holz.

„Eigentlich sind Hornissen relativ ungefährlich. Man sollte die Tiere allerdings nicht berühren, sie in die Enge treiben oder drücken, denn dann erst stechen sie. Wird man dennoch gestochen, hilft das alte Hausmittel Zwiebelsaft gegen Beulen. Bei allergischen Reaktionen sollte man allerdings einen Arzt aufsuchen“, rät Ulrich Bräuer. Das größte Nest, das der Schädlingsbekämpfer bislang beseitigt hat, war unter dem Dachfirst eines Hauses gebaut und hatte die stolzen Ausmaße von zwei mal zwei Metern und war zehn Zentimeter hoch! Der „Abriss“ von Hornissennestern ist allerdings die große Ausnahme, denn die Insekten stehen unter Naturschutz.

Mit dem Hornissenleben ist es übrigens schon bald vorbei. „Zum Herbst buddeln sich die begatteten Jungköniginnen zum Überwintern ein, in die Erde oder in Laub. Der Rest des Volkes stirbt, und die alten Nester werden im folgenden Jahr nicht mehr benutzt“, weiß der Fachmann.

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Kommentare (1)

beim Bau ihres Nestes zu beobachten, ist ungemein spannend. Bei uns haben sie eins im Geräteschuppen gebaut. Mehrere Wochen habe ich jeden Tag den Baufortschritt fotografiert. Das hat sie wohl gestört, inzwischen haben sie den Türspalt ebenfalls verschlossen und wir lassen sie nun in Ruhe. Aber richtig gespannt sind wir schon, wie es aussehen wird, wenn wir nach dem Absterben des Volkes das ganze Nest näher betrachten können. Die Bilder gibts hier zu sehen: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.607857809254699.1073741829.100000914563757&type=1&l=c2493b054e