Tourismus-Wirtschaft in Lychen:

Im Sommer keine Zeit, im Winter kein Geld

Bootsvermieter Olaf Tisch hat den Familienbetrieb 1999 übernommen. Wenn andere Spaß haben wollen, fängt die Arbeit für ihn erst an. Porträt eines selbst und ständig beschäftigten.

Bootsvermieter Olaf Tisch hilft Familie Steinwachs aus Bad Salzschlier bei Fulda auf den Wassertreter.
Sigrid Werner Bootsvermieter Olaf Tisch hilft Familie Steinwachs aus Bad Salzschlier bei Fulda auf den Wassertreter.

Olaf Tisch ahnt, was manche Leute so denken, wenn sie beim Bootsverleih anklopfen: Bootsvermieter müsste man sein – den ganzen Tag in der Sonne sitzen und den Münzen nachschauen, wie sie einem in den Schoß geworfen werden.

Der Lychener und seine Familie erledigen den Job am Oberpfuhl nun schon seit 25  Jahren. Und sie wissen: So einfach ist es beileibe nicht. 40 Boote und Wassertreter, wollen gepflegt sein, repariert und gesäubert, und so manches Mal nach kräftigem Regenguss auch mühsam ausgeschöpft. Im Sommer gibt es keine freien Tage, keinen Urlaub, kein Wochenende. Und im Winter wird das Geld knapp. Allein von der Bootsvermietung ließe es sich in Lychen nicht leben, gesteht Tisch. Deshalb wechselt der 42-Jährige täglich mehrmals zwischen verschiedenen Jobs hin und her. Das Familienunternehmen vermietet noch Bungalows und eine Ferienwohnung. Und seit zehn Jahren betreibt Olaf Tisch einen Online-Shop. So ist er in der Saison oft Büroarbeiter, Paketschnürer, Hausmeister, Toiletten- und Waschfrau, Gärtner und Handwerker in einem. Und wenn die Gäste abends um neun noch einen Wunsch haben, Olaf Tisch ist auch dann noch im Dienst. Seit 1999, als er den Familienbetrieb von seiner Mutter Anneliese übernahm, ist er selbst und ständig unterwegs. „Auch das ist ein Lernprozess“, sagt er, sich mal abkömmlich zu machen und nachts dem stillen Mitarbeiter Anrufbeantworter Verantwortung zu übertragen.

Die Saison ist ganz sacht gestartet

Olaf Tisch schätzt es, sein eigener Herr zu sein, auch wenn er zum Bootfahren zum eigenen Vergnügen in diesem Jahr  noch nicht gekommen ist. Die Saison sei ja noch jung und wegen des eher kühlen Frühlings nur ganz sacht gestartet, sagt er. Mit Muskelkraft schafft man es locker an einem Tag bis zum Ende des Platkowsees und zurück, erzählt er seinen Gästen.

Nach der Wende waren die Tischs noch die einzigen Bootsvermieter in dem Erholungsort. Inzwischen gibt es vier bis fünf Mitbewerber. Die Kundschaft verteilt sich, Olaf Tisch nimmt es, wie es ist. Am Ende bereichere Vielfalt das Geschäft, da sei es mit der Bootsvermietung genauso wie mit Lokalen oder anderen touristischen Dienstleistungen. Denn nur dann lohne es sich für Touristen,  in den Ort zu kommen und länger zu verweilen.

Olaf Tisch wünschte sich, dass  die Touristiker in Lychen noch enger zusammenrücken, gemeinsam an einem Strang ziehen, um die Region zwischen Templin, Lychen und Feldberg als Ganzes noch viel besser zu vermarkten. „Das Gesamtpaket Lychen muss stimmen“, sagt der 42-Jährige.

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