Ehrenamtliche Arbeit in ehemaligem KZ:

Junge Menschen wollen Holocaust begreifen können

Künftige Erzieher aus Templin werden ihre Spuren in der Gedenkstätte Theresienstadt hinterlassen. Sie arbeiten zwei Wochen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers in der Nähe von Prag. Freiwillig wollen sie etwas gegen das Vergessen tun.

Schon vor Reisebeginn stand für die angehenden Erzieher fest, dass sie in Templin nach zwei Wochen in der Gedenkstätte Theresienstadt von ihren Eindrücken berichten werden.
Michaela Kumkar Schon vor Reisebeginn stand für die angehenden Erzieher fest, dass sie in Templin nach zwei Wochen in der Gedenkstätte Theresienstadt von ihren Eindrücken berichten werden.

Dieser Einsatz führt die 21-jährige Julia Reiffler an einen Ort großen menschlichen Leids: 14 Tage wird die angehende Erzieherin, die ihre Ausbildung am Templiner Standort des Oberstufenzentrums Uckermark erhält, in der internationalen Gedenkstätte Theresienstadt arbeiten. Und nicht nur das. Sie schläft auch in der Kleinen Festung, wo die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg 140 000 Menschen inhaftiert und 38 000 von ihnen ermordet haben. „Ich gebe zu, dass verursacht bei mir ein flaues Gefühl im Magen“, sagt die junge Frau aus Leegebruch. Sie meldete sich trotzdem freiwillig für diesen Arbeitseinsatz. Genauso wie der 21-jährige Templiner Riko Eberhardt.

„Mein Bruder hat mir von einer Klassenfahrt dorthin erzählt. Er war tief beeindruckt. Für mich stand schon damals fest, da muss ich auch hin. Und wenn ich jetzt sogar noch ehrenamtlich dort arbeiten kann, umso besser“, sagt er. Doris Rocktäschel, 32, kommt aus Dedelow und wird ebenfalls in Templin ausgebildet. „Ich finde es wichtig, etwas für den Erhalt von Gedenkstätten zu tun. Schließlich sind das Zeichen der Mahnung“, erklärt sie.

Insgesamt sind es neun künftige Erzieher, die sich zusammen auf den Weg nach Tschechien machen. Für sie alle wird es ihre erste Begegnung mit der Gedenkstätte sein. Ebenso wie für die beiden OSZ-Lehrer Volker Huntz und Thomas Wegener. Bernd Panknin, der dritte Begleiter, war schon mehrfach dort. Ihm ist dieser Einsatz so wichtig, dass der ehemalige Lehrer auch noch als Ruheständler junge Leute nach Theresienstadt begleitet.

Vor 20 Jahren sind Auszubildende aus Templin zum ersten Mal in den kleinen Ort in der Nähe von Prag gefahren, um einen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten, sich mit deutscher und tschechischer Geschichte auseinanderzusetzen, wie Dr. Reiner Dreblow, Leiter des Templiner OSZ-Standorts, erinnert. Nach wie vor bewegt auch ihn zu erleben, wie sich junge Leute für den Erhalt dieses historischen Ortes verantwortlich fühlen. 16 Mal waren Jugendliche, die in Templin ausgebildet werden, seit 1993 dafür nun schon in der Gedenkstätte. Nur Naturgewalten wie Hochwasser und Probleme mit der Finanzierung der Reise sorgten für Unterbrechungen.  In diesem Jahr sind die Sparkasse Uckermark mit 2000 Euro sowie die Stadt Templin mit 1000 Euro für einen guten Zweck eingesprungen. „Und das nun schon zum wiederholten Mal. Wir werten das als Interesse an dem Anliegen der Aktion und uns als Schule“, so Reiner Dreblow. „Es kann nur gut sein, wenn sich junge Erwachsene mit Geschichte auseinandersetzen“, begründet Markus Fiebelkorn von der Sparkasse Uckermark das Engagement des Kreditunternehmens. Gerade im Bereich Kinder- und Jugendarbeit seien ohne solche Unterstützung viele gute Projekte oftmals gar nicht zu realisieren. Für die Stadt Templin war es bei der Bewilligung der Mittel völlig unerheblich, dass das Geld nicht an eine städtische Schule geht, so die stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Heise. „Wenn junge Leute den Namen Templin durch einen so großartigen Einsatz in die Welt hinaustragen, dann können wir das nur unterstützen“, sagt sie.

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