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Keiner fühlt sich für Scherbenhaufen am Bahnhof verantwortlich

Ein umwerfendes Bild gibt der Bahnhof Templin-Stadt nicht gerade ab. Jetzt ist auch noch eine Scheibe bei den Fahrradständern kaputt. Die Deutsche Bahn sagt, die Stadt solle sich darum kümmern. Die sagt, das Gelände gehört der Bahn. Viel wichtiger: Wer kümmert sich nun um die Scherben?

Wer sein Fahrrad zurzeit am Bahnhof Templin-Stadt abstellt und anschließt, der hat eigentlich Anspruch auf Gefahrenzulage. Überall Scherben, und das seit Tagen.
Michaela Kumkar Wer sein Fahrrad zurzeit am Bahnhof Templin-Stadt abstellt und anschließt, der hat eigentlich Anspruch auf Gefahrenzulage. Überall Scherben, und das seit Tagen.

Jetzt reicht es Sybille Lemm. Wie viele andere Pendler auch fährt die Templinerin jeden Tag mit dem Fahrrad zum Bahnhof Templin-Stadt. Dort steigt sie in den Zug, vorher schließt sie ihr Fahrrad an. Das ist zurzeit allerdings nicht ganz ungefährlich. Eine der Scheiben an den verglasten Abstellflächen wurde vermutlich eingeschlagen und ist in zig Scherben zersprungen. Die liegen nun schon seit drei Wochen überall verteilt herum. Was nichts anderes heißt, als dass die eine Seite der Unterstellmöglichkeit nicht mehr genutzt werden kann.

Die Pendler hatten nun die stille Hoffnung, dass sich die Bahn der Radfahrer erbarmt, die Scherben wegfegt und auch die Scheibe wieder ersetzt. Fehlanzeige. Die Stadt könne auch nicht einspringen, erfuhr Sybille Lemm aus der Stadtverwaltung. Zuständig sei für dieses Gelände die Bahn. Man werde das Unternehmen aber informieren, damit es sich kümmere, hieß es aus dem Rathaus.

Die Bahn fühlt sich jedoch nicht zuständig, wie eine Sprecherin auf Nachfrage des Uckermark Kurier erklärte. „Die Fahrradabstellanlage befindet sich im Besitz der Stadt Templin.“ Soll dieses Hin und Her nun etwa ernsthaft bedeuten, dass gar nichts passiert und die Radfahrer also weiter Tag für Tag vor den Scherben stehen?

Diese Scherben sind nur das I-Tüpfelchen auf den Ärger vieler Templiner über den Anblick des Bahnhofs. Erst im Juni hatte Klaus-Dieter Kleiß seinem Unmut in der Redaktion des Uckermark Kurier Luft gemacht. „Das ist für eine Kurstadt beschämend.“ Nicht nur, dass damals Gras und Unkraut auf dem Bahnsteig, der nicht mehr genutzt wird, in die Höhe geschossen waren. Er kritisierte außerdem die beschmierten Unterstellmöglichkeiten für die Fahrräder sowie die bröckelnde Fassade des ehemaligen Bahnhofsgebäudes. Nicht selten liege außerdem Müll herum. Wenigstens wurde mittlerweile gemäht.

Die Bahn findet übrigens nicht, dass sie zu wenig auf dem Bahnhof Templin-Stadt nach dem Rechten sieht. „Er wird regelmäßig durch unsere Streckenbetreuer und durch unseren Dienstleister DB Service bereist und kontrolliert“, so die Bahnsprecherin. Das ist erfreulich. Nur reicht gucken allein eben nicht.