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„Lichtschloss“ in der Schule?

VonBirgit BruckDer Holländer Henri van Zanten will wieder Leben in die einstige Lychener Gesamtschule bringen. Er träumt von einem Lichtschloss, in dem sich ...

Henri van Zanten will in der Lychener Schule ein „Lichtschloss“ errichten.

VonBirgit Bruck

Der Holländer Henri van Zanten will wieder Leben in die einstige Lychener Gesamtschule bringen. Er träumt von einem Lichtschloss, in dem sich Künstler begegnen und arbeiten.

Lychen.Henri van Zanten zieht ein buntes Schlüsselbund aus der Jackentasche und schließt die Schultür auf. Seit zwei Wochen ist der Holländer Hausherr im leer stehenden Schulgebäude am Lychener Stadtrand – per Erbpacht, für 99 Jahre. „Damit will ich zeigen, dass ich es ernst meine, dass ich bleiben will“, erklärt der 56-Jährige.
Schmutz knirscht unter seinen Sohlen, als er die Treppen zum Untergeschoss hinabsteigt. 2010 kam das Aus für die einstige Pestalozzi-Gesamtschule Lychen. Weil die gesetzlich vorgeschriebene Mindestschülerzahl nicht mehr erreicht wurde, ertönte hier das Klingelzeichen am Schuljahresende zum endgültig letzten Mal, das Haus wurde vom Kreis an die Stadt zurückgegeben und steht seitdem leer.
Bis Henri van Zanten im vergangenen Jahr den 1981 errichteten Bau entdeckte, sofort, wie er sagt, „Liebe auf den ersten Blick“ verspürte und Bürgermeister Sven Klemckow seine Idee von einem Kunsthaus vorstellte. Er fand schnell offene Ohren – vermutlich auch angesichts der Tatsache, dass – wie
auch für andere leerste-
hende Immobilien in Lychen – die Interessenten nicht Schlange stehen vor dem Rathaus.
Henri van Zanten bezeichnet sich selbst als „Omniartisten“, als Künstler, der sich in allen Sparten zu Hause sieht: Schriftsteller und Schauspieler, Regisseur und Musiker, Maler und Filmemacher. All diese Dinge will er jetzt in der Schule praktizieren. Er denkt an Atelier- und Seminarräume, an ein Tonstudio, an Ausstellungen, Theaterkurse und Konzerte. „Ich bin offen für alles und für alle.“ Zuerst wird sich der Künstler aber unter anderem damit befassen müssen, dass sein 4000 Quadratmeter großes Domizil wieder Strom und Wasser bekommt. Sich vorzustellen, dass in den leergeräumten, ausgekühlten und feuchten Räumen Seminare und Ausstellungen stattfinden, braucht Fantasie. Henri van Zanten, der von seinem „Lichtschloss“ spricht, hat sie. Ein fertiges Projekt und Geld zu seiner Umsetzung offensichtlich weniger.
Seine Ideen will er Anfang Mai zum „Tag des offenen Ateliers“ vorstellen und mit den Lychenern ins Gespräch kommen. Ein Theaterkurs soll noch in diesem Jahr starten. Im „Lichtschloss“, das sich hoffentlich nicht als Luftschloss erweist.

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b.bruck@uckermarkkurier.de