Schönheitskur für Buswarthäuschen:

Mit der Sprühdose als Pinsel

Von einem, der in die Ferne zog, um die Freiheit zu suchen und der sie letztlich in der Heimat fand. Tino Zimmermann hat sich als Wandgestalter und Illustrator selbstständig gemacht.

Im Auftrag der Stadt Templin und in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus "Villa" sollen 14 Bushaltestellen mit Graffiti-Kunst durch junge Leute verschönt werden. Tino Zimmermann hat jetzt die ersten beiden in der Prenzlauer Allee gestaltet.
Sigrid Werner Im Auftrag der Stadt Templin und in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus "Villa" sollen 14 Bushaltestellen mit Graffiti-Kunst durch junge Leute verschönt werden. Tino Zimmermann hat jetzt die ersten beiden in der Prenzlauer Allee gestaltet.

„Mal nicht so viel, pass lieber auf in der Schule“, der Schüler Tino Zimmermann mochte die Ermahnungen nicht hören. Denn er malte für sein Leben gern. Nichts schien ihm wichtiger. „Damit wirst du aber kein Geld verdienen können“, sah er die drohenden Zeigefinger der Erwachsenen. Und sie stachen ihm ins Herz. Warum sollte er es nicht erst mal probieren, fragte er sich trotzig. Im Templiner Jugendhaus „Villa“ fing man den jungen Mann und Gleichgesinnte auf, gab ihnen die Chance, sich im öffentlichen Raum auszuprobieren. An einem Parkplatz in seiner Heimatstadt verschwand eine graue, immer nur beschmierte Wand unter seinen geschickten Händen.

Doch eine Kleinstadt bleibt eine Kleinstadt.  Gleich nach der Schule zog Tino fort in die Ferne. Alle „anständigen“ Berufe in den Wind schlagend. In Mannheim sah man sein Talent wohl. Er bekam eine Chance, einen Ausbildungsplatz als Grafik- und Mediendesigner. Doch Tino Zimmermann, suchend, warf sie auf halbem Wege hin. Er wollte frei sein: in seiner Kunst, in seinem Leben. Sich nicht an vorgezeichneten Layouten orientieren. Er wollte ausprobieren, was das Leben so zu bieten hatte, jobbte da und dort. Er wollte leben und erleben, blieb dennoch gefangen und merkte, dass ihm nicht alles gut tat, was nach grenzenloser Freiheit aussah. Er kehrte in seine Heimatstadt zurück, wo man ihn nicht vergessen hatte. „Warum sollte ich mich nicht selbstständig machen, mit dem, was ich kann?“, fragte er sich. Fassaden, Hausflure gestalten, ein Auftragsbild zeichnen, ein Buch illustrieren, am liebsten irgendwann auf einer viele Quadratmeter großen Häuserwand Bilder sprechen lassen. Ja, ganz frei sei er auch als Selbstständiger nicht, gibt er zu. Noch sperrt er sich gedanklich ein wenig gegen all die Arbeiten, die dazugehören: „Schon Akquise – das ist für mich so unfrei wie eine Steuererklärung zu machen.“ Viel lieber beobachtet er genau seine Umwelt, die Natur, den atmosphärischen Dunst, die Kontraste, Perspektiven, Menschen.  Will er Illusionen schaffen, als säße man mittendrin im Wald, wie auf seinem Wandgemälde in der Waldschule in Reiersdorf, dann braucht es Wissen um Details. Das kostet Zeit. Das Sprühen an einer Bushaltestelle wie jetzt in der Prenzlauer Allee dauere nur drei Tage. Entwurf und Planung, das beschäftigt Tino Zimmer mitunter Wochen.

Noch finden seine Kunden ihn als alten Bekannten oder weil er gerade an einem Auftrag bei helllichtem Tage ganz öffentlich zugange ist. Seine Freundin redet ihm gut zu, das Internet zu nutzen, sich zu präsentieren. Doch Tino betrachtet die große Freiheit des World Wide Web eher als moderne Form der Abhängigkeit. George Orwell lasse grüßen. Facebook habe er bis jetzt ignoriert. Er wolle selbst entscheiden, was er von sich preisgebe. Eine Kultur, die den 23-jährigen Templiner wie jeher rebellieren lässt.

Wer sich für die Kunst des stillen jungen Mannes interessiert, hier die Telefonnummer: 0162 7067472.

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