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Patienten geschlossener Praxis hängen in der Luft

Nach dem plötzlichen Tod "ihres Doktors" wissen die Menschen nicht, wie es weiter geht. Einmal mehr tritt durch diese unerwartete Situation die Belastung der Ärzteschaft in der Region zutage.

An der Tür zur verwaisten Praxis informieren Zettel jetzt auch über die Zeiten, in denen Patienten zu ihren Unterlagen kommen können.
Benjamin Vorhölter An der Tür zur verwaisten Praxis informieren Zettel jetzt auch über die Zeiten, in denen Patienten zu ihren Unterlagen kommen können.

Vor verschlossener Tür stehen derzeit Patienten der Praxis von Dr. Andreas Hempelmann. Seit dem plötzlichen Tod des Mediziners hängt ein handgeschriebener Zettel  an der Tür. „Die Praxis bleibt bis auf Weiteres geschlossen“ steht darauf. Noch geschockt von der Nachricht, mussten viele Patienten umdisponieren, um ein dringendes Rezept zu besorgen oder um eine Schmerzbehandlung bei einem anderen Arzt bitten. Wie schwer es wird, sich einen neuen Doktor suchen zu müssen, wird schon jetzt deutlich. Denn auch an anderen Praxen hängen Zettel. „Wir nehmen keine neuen Patienten mehr an“, heißt es darauf. 

So rollte eine Welle kranker Menschen auf benachbarte und Vertretungsärzte zu. Kollegen des Verstorbenen versuchten, die Hilfesuchenden nach Wohngebieten aufzuteilen und empfahlen ihnen Adressen, bei denen ihnen geholfen werden könnte. Auch bei den Krankenkassen gingen aufgeregte Anrufe verunsicherter Patienten ein. Doch die Sorge, wie es weitergehen wird, konnten ihnen auch die Mitarbeiter nicht abnehmen. Sie versuchten zu vermitteln und zu empfehlen. „Wir können Ärzten aber nicht vorschreiben, welche Patienten sie zu behandeln haben“, macht zum Beispiel die Leiterin der DAK-Gesundheit Uckermark Christiane Thies deutlich.

Keine der rund 50 Hausarztpraxen in der Uckermark klagt über mangelnden Zustrom von Patienten. Besonders nach Ferien oder Feiertagen zeugen die Schlangen in den Anmeldungen von der Belastung der Mediziner. Nach Information der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg in Potsdam behandelt ein Hausarzt pro Jahr landesweit rund 4000 Fälle im Jahr. In der Uckermark summiert sich diese Zahl auf durchschnittlich 4500. Dennoch geht sie von einem 100-prozentigen Versorgungsgrad in Templin aus. Die Region sei nicht unterversorgt, heißt es auf Nachfrage des Uckermark Kurier.

Glücklicherweise ist zumindest keine Zulassungssperre in der Region ausgesprochen worden. So bemüht sich die Kassenärztliche Vereinigung derzeit gemeinsam mit der Erbin der Praxis um einen Nachfolger. Mögliche Mediziner seien benannt worden, so die Kassenärztliche Vereinigung. Ob sich jemand findet, in die Bresche zu springen und diese Versorgungslücke auszufüllen, bleibt abzuwarten.