Ärztemangel:

Politiker wollen Hautarzt mit Superkonditionen locken

Die Zulassung eines Dermatologen in der Kurstadt steht auf der Kippe. Mit ungewöhnlichen Vorschlägen will die CDU-Fraktion potenzielle Bewerber in die Stadt locken. Doch wie weit darf eine Kommune bei der Förderung eines Mediziners gehen?

Dr. Birgit Göhre in Templin gibt ihre Praxis demnächst auf. Seit einem Jahr hatte sie vergeblich nach einem Nachfolger gesucht.
Matthias Schöppner Dr. Birgit Göhre in Templin gibt ihre Praxis demnächst auf. Seit einem Jahr hatte sie vergeblich nach einem Nachfolger gesucht.

Im April schließt in Templin Hautärztin Dr. Birgit Göhre ihre Praxis. Mit einem ungewöhnlichen Vorstoß wollen Kommunalpolitiker den drohenden Verlust der Arztstelle abwenden. In der Stadtverordnetenversammlung stellte die CDU-Fraktion Eilanträge, nach denen die Stadt die Neubesetzung der Praxis nicht nur mit einer Anzeigenkampagne vorantreiben sollte. Sie brachte auch die finanzielle Unterstützung potenzieller Bewerber ins Gespräch. „In den ersten sechs Monaten nach einer Zulassungsrückgabe sind die Chancen noch am größten, einen Nachfolger zu finden“ argumentierte Fraktionschef Neumann.

So hatte die CDU-Fraktion vorgeschlagen, einem niederlassungswilligen Dermatologen für einen Übergangszeitraum die Praxisräume für einen symbolischen Mietzins von einem Euro je Quadratmeter zu überlassen oder die Kaltmiete zu 50 Prozent zu übernehmen, falls die städtische Wohnungsbaugesellschaft keine geeigneten Praxisräume zur Verfügung stellen könnte.

Thema soll in Fachausschüssen diskutiert werden

Unter den Stadtverordneten ist der Vorstoß der CDU-Fraktion nicht unumstritten. Nicht zuletzt deshalb, weil von einem solchen Beschluss eine Signalwirkung für vergleichbare Fälle ausgehen würde. Statt dessen wollen die Stadtverordneten zunächst in den Ausschüssen diskutieren, inwieweit sie eine Neuansiedlung eines Hautarztes oder die Förderung weiterer Ansiedlungen von Fachärzten auch finanziell unterstützen können.

Bedarf ist vorhanden

Dr. Birgit Göhre sieht für eine dermatologische Praxis in Templin Potenziale. So gebe es in der Stadt einen Markt für sogenannte IGeL- und Selbstzahlerleistungen. „Das Patientenaufkommen hier ist sehr groß, und die Leute achten auch auf sich und sind bereit, in ihr Aussehen zu investieren", gab sie ihre Erfahrungen wieder.