Architektur:

Rechte Winkel, soweit das Auge reicht

Häuser eins wie das andere prägen die Innenstadt. Für die Kurstädter sind sie ein gewohntes Bild. Touristen hingegen zücken die Fotoapparate, um die schnurgeraden Häuserzeilen abzulichten. Ein Erbe, das Oberbaudirektor Philipp Gerlach hinterlassen hat.

Aus der Vogelperspektive ist der geometrische Grundriss von Templins Innenstadt gut zu erkennen.
Wilfried Berkholz Aus der Vogelperspektive ist der geometrische Grundriss von Templins Innenstadt gut zu erkennen.

Wer aufmerksam durch Templins Innenstadt geht, dem fallen nicht nur die Straßen auf, die im rechten Winkel zueinander stehen. Viele der Häuser weisen die gleiche Größe und Höhe auf. Dass diese Struktur nach dem letzten großen Stadtbrand 1735 entstand, das wissen die meisten Templiner. Dass dieses Stadtbild auf Oberbaudirektor Philipp Gerlach von der Kurfürstlich-preußischen Bauverwaltung zurückzuführen ist, das wissen jetzt Dora und Diedrich Apolke. Die Templiner gehörten zu jenen Menschen, die sich einen besonderen Gang durch die Stadt und ihre Geschichte nicht entgehen ließen. 

Anlässlich des bundesweiten Tages der Städtebauförderung nahm Stadtführer Werner Foth gut ein Dutzend Neugierige mit den Stadtrundgang. Mit Stadtsanierer Friedrich Ewers begleitete ihn ein Experte. Beide enthüllten den Zuhörern den Hintergrund um die geometrische Struktur der Innenstadt und das Aussehen der Häuser. So hatte kein Geringerer als der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. seinen Oberbaudirektor mit den Plänen für der Wiederaufbau nach dem Stadtbrand beauftragt.

Preußische Strenge, wohin man blickt

Preußisch exakt entstanden so nicht nur wie mit dem Lineal gezogene Straßenzüge. „In Templin regiert der preußische rechte Winkel“, erklärte Werner Foth seinen Zuhörern die Anlage der Straßen in der Innenstadt. Damit nicht genug: „Die Pläne sahen Typenhäuser von 40 und 60 Fuß Länge vor“, erklärte Siegfried Ewers. Selbst die Höhen von Traufe und First waren mit umgerechnet 6,50 und 11,50 Metern vorgeschrieben.

Und auch für das Dach war eine Neigung von 45 Grad vorgegeben, damit das Dach im First einen rechten Winkel hat. Bis in die Grundrisse der Häuser hinein reichte die preußische Strenge. Privilegien, so Ewers, gab es nicht. Diese stringente Stadtplanung sei der Grund dafür, dass es in Templin Patrizierhäuser wie in anderen historischen Innenstädten nicht gibt.

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