Arbeitsplatz wird zur Therapie-Praxis:

Rückenschule für starke Männer

Weil die Krankenkasse mitspielt, können Mitarbeiter der Firma Robeta unter Anleitung ihre Wirbelsäule stärken. Dafür müssen sie nur ihre Sportmatten ausrollen. Der Physiotherapeut kommt zu ihnen.

Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz. Für diese Beschäftigten der Firma Robeta heißt das, das sie bis Dezember an einem Rückschulkurs teilnehmen können.
Michaela Kumkar Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz. Für diese Beschäftigten der Firma Robeta heißt das, das sie bis Dezember an einem Rückschulkurs teilnehmen können.

Rückenprobleme?“ Prüfend geht der Blick von Physiotherapeut Marcel Heide in die Runde. Drei, vier, fünf Arme der Männer, die vor ihm stehen, gehen in die Höhe. Der Fachmann verspricht, dass sich daran etwas ändern lässt. In den nächsten zehn Wochen will er den Mitarbeitern der Firma Robeta Holz OHG zeigen, wie sie ihre Wirbelsäule mobilisieren können. Dieser Rückenschulkurs findet nicht etwa in der Praxis von Marcel Heide statt, sondern direkt am Arbeitsplatz der 16 Teilnehmer, darunter ist eine Frau.

Das Milmersdorfer Unternehmen und die Barmer GEK-Ersatzkasse machen’s möglich. Sie tragen die Kosten für diesen Kurs zur Gesundheitsvorsorge. Für Edgar Rockel, einer der drei Geschäftsführer, ist das selbstverständlich. „Dass einige unserer Kollegen Rückenschmerzen haben, wissen wir. Da können solche Angebote nur helfen“, sagt er und freut sich, in der Barmer GEK einen Partner gefunden zu haben. Die ist Firmen, die in ihren Reihen Versicherte dieser gesetzlichen Krankenkasse haben, bei Offerten zur Gesundheitsvorsorge behilflich. Die Krankenkasse stellt Trainer, die Arbeitnehmer beim Erlernen der Entspannungstechniken oder Bewegungs- oder Haltungsübungen anleiten.

„Wir hatten bei uns viel mehr Interessenten, als in dem einen Kurs untergebracht werden konnten“, erzählt Anett Nix, zuständig für Personalleitung bei Robeta. „Die Kollegen arbeiten als Radlader- und Anlagenfahrer oder im Büro, müssen in ihrem Job viel sitzen. Das strapaziert die Wirbelsäule.“ Anja Jungnickel, Barmer-Bezirksgeschäftsführerin in Templin, weiß dieses Engagement in Sachen Gesundheit auf Arbeitgeberseite zu schätzen. „Solche Dinge lassen sich nur von den Arbeitgebern realisieren, denn zehn bis 15 Minuten Zeit müssen dafür schon aufgebracht werden, damit Arbeitnehmer danach mit neuer Kraft wieder loslegen können.“

Unter Anleitung von Marcel Heide haben die Kursteilnehmer indes spezielle Übungen zur Stärkung der Lendenwirbelsäule absolviert und auch die Bauchmuskeln strapaziert. „Da lernt man mal Muskelpartien kennen, die es wirklich gibt“, muntert der Therapeut die „Schüler“ auf. Auch Guido Tabbert, der gerade die kurze Pause genießt, muss schmunzeln. Vor Jahren habe er schon einmal an einer Rückenschule teilgenommen. Viel hängen geblieben sei davon jedoch nicht. „Da ist das jetzt natürlich ganz schön ungewohnt und ziemlich anstrengend. Aber das wird bestimmt besser.“