Pinne:

Schönheitskur für Lychener „Spießer“

Die Reißzwecke wurde vor über 100 Jahren von einem Uhrmacher in Lychen erfunden. An das praktische kleine Teil erinnert unter anderem der "Pinnenpfad", der quer durch die Stadt führt. Der wird jetzt einer Rundumerneuerung unterzogen.

Überdimensionale „Pinnen“ dienen in Lychen als Infotafeln zu Sehenswürdigkeiten, wie hier an der Helenenkapelle in Hohenlychen.
Birgit Bruck Überdimensionale „Pinnen“ dienen in Lychen als Infotafeln zu Sehenswürdigkeiten, wie hier an der Helenenkapelle in Hohenlychen.

Lychen ist nicht nur Flößerstadt, sondern auch die Stadt der Reißzwecke. Vor etwas mehr als 100 Jahren hat der Uhrmacher Johann Kirsten dort die „Pinne“ erfunden: Er verband einen Nagel mit Blech, um den Daumen beim Eindrücken vor Verletzungen zu schützen. Der als „chaotisch und kauzig“ beschriebene Mann verkaufte seinen Einfall dem Kaufmann Otto Lindstedt, der die „Heftzwecke“ 1904 als Patent anmeldete. Bis 1960 wurden die Pinnen in Lychen von Hand gestanzt, 1966 wurde die Produktion in der Berliner Straße eingestellt.

Heute erinnert ein kleines Schild an einem unscheinbaren Haus an den Erfinder, ein Reißzweckendenkmal von Werner Kothe steht seit einigen Jahren vor dem Hotel „Lindenhof“. Und 16 überdimensionale Reißzwecken bilden seit 2005 einen „Pinnenpfad“ quer durch Lychen. Sie informieren über Markt und Rathaus, die Heilstätten Hohenlychen und die Helenenkapelle, den ehemaligen jüdischen Friedhof und den von Siegmund Cohrs gegründeten Chorsstift am Nesselpfuhl. So originell die Idee und die Form dieser besonderen Aufsteller auch waren und sind – Besucher standen in der Vergangenheit auch kopfschüttelnd vor den Texten. Waren doch nur wenige wirklich fehlerfrei und glücklich formuliert. Als nun auch Wind, Wetter und der Zahn der Zeit an den „Infopinnen“ nagten, war die Zeit für eine Generalüberholung mehr als reif.

Pinnen erhalten neue Texte

Der Lychener Arbeitsförderungsverein (AFV), der den Pfad betreut, hat sich dieser Aufgabe angenommen. Die 16 Pinnen wurden eingesammelt und werden in den kommenden Tagen mit neuen, wetterfesten Folien beklebt, sagt Geschäftsführerin Hannelore Lubitz. Neben den Fakten – bei der Erarbeitung der Texte wirkten auch Kinder und Jugendliche des Freizeittreffs mit – werden Besucher künftig auch QR-Codes auf den Pinnen finden, mit denen sie weiterführende Informationen im Internet abrufen können. Wenn das Wetter mitspielt, könnten Besucher die Lychener Reißzweckentour noch im Januar wieder absolvieren.