Fund im Garten:

Spuren des Weltkrieges ausgegraben

Das Herz eines Berliners hängt an Warthe. Er hat sich mit der Geschichte des uckermärkischen Dorfes beschäftigt und ist dabei auf ein schreckliches Ereignis gestoßen.

Diese Fundstücke wird Otto Hauptmann ausstellen. Sie erinnern an schreckliche Ereignisse im April 1945 im uckermärkischen Warthe.
Michaela Kumkar Diese Fundstücke wird Otto Hauptmann ausstellen. Sie erinnern an schreckliche Ereignisse im April 1945 im uckermärkischen Warthe.

Seit 40 Jahren verbringt Otto Hauptmann jede freie Minute in Warthe. Dort hat der Berliner ein Haus und ein Grundstück. Schon lange beschäftigt er sich mit der Geschichte des Ortes. Der Zufall wollte es, dass er auf ein bedrückendes Kapitel aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs stieß. „2010 ließen wir Erdarbeiten auf unserem Grundstück durchführen. Eigentlich wollten wir einen Swimmingpool bauen“, so Otto Hauptmann. In einer Tiefe von nicht mal einem halben Meter wurden dabei menschliche Knochen, Stahlhelme, Stiefel und jede Menge Munition zu Tage befördert. „Wir verständigten Polizei und Munitionsbergungsdienst.“

Wie sich herausstellte, handelte es sich um Soldaten, die durch einen Kopfschuss ums Leben kamen. Die Toten wurden in der Nähe von Frankfurt beigesetzt. Die restlichen Fundstücke verblieben bei Otto Hauptmann. Er begann, über die letzten Tage des Krieges in Warthe Recherchen anzustellen. „Dazu gibt es unter anderem eine Dokumentation von Klaus Feske, der viele Jahre hier gelebt hat. Sie ist allerdings nicht ganz vollständig“, berichtet der Berliner.

Sinnloser Kampf um das Dorf

Er hat herausgefunden, dass sich im April 1945 schon viele Dörfer rund um Warthe den sowjetischen Truppen kampflos ergeben hatten. Anders in Warthe. Dorthin seien von Nationalsozialisten aus dem Dorf Kräfte zur Verteidigung gerufen worden. Otto Hauptmann spricht von 200 Männern. Vertreter der Sowjettruppen wollten als Parlamentäre über die Übergabe des Dorfes verhandeln. „Sie wurden umgebracht.“ Daraufhin begann eine Auseinandersetzung um den Ort, bei dem viele Menschen zu Tode kamen. Denn an diesem 28. April 1945 befanden sich nicht nur Einheimische in Warthe. „Prenzlau war damals weitestgehend zerstört. Unter den zahlreichen Flüchtlingen, die nach Warthe gekommen waren, waren viele Prenzlauer“, so Otto Hauptmann.

Ihn haben diese Geschehnisse so berührt, dass er sie nicht in Vergessenheit geraten lassen will. Er möchte deshalb mit einer Gedenkstätte einen Denkanstoß gegen Krieg und Unmenschlichkeit geben. Gemeinsam mit Warthes Ortsvorsteher Jörg-Uwe Dobbert und Bernhardt Rengert, Bürgermeister der Gemeinde Boitzenburger Land, ist ein geeigneter Platz für dieses Erinnern an den 28.  April 1945 im Dorf schon gefunden.

Auf der Suche nach Zeitzeugen

Wie dieser Ort gestaltet werden soll, darüber möchte Otto Hauptmann mit Interessierten ins Gespräch kommen. „Am 9.  Mai findet um 14 Uhr in der Warther Kirche eine Andacht mit Pfarrerin Rosemarie Penz statt. Anschließend wollen wir am Soldatengrab auf dem Friedhof einen Kranz niederlegen.“ In der Gaststätte „Drei Eichen“ besteht dann Gelegenheit, miteinander zu reden. Jetzt hofft Otto Hauptmann, dass sich Zeitzeugen finden, die aus ihren Erinnerungen an diesen schrecklichen Tag im April 1945 berichten.

Telefon: 03987 703613