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Stadt spart an der Kunst

Templin will den Gürtel im Bereich der freiwilligen Leistungen enger schnallen. Der Templiner Kunstverein erhält 2014 gleich 3000 Euro weniger. Das bringt ihn mächtig in die Bredouille.  Gleichzeitig will die Stadt den Sport mehr fördern.

Der Kunstverein sorgt mit Ausstellungen für Kultur im Rathaus. Die Stadt gibt den Künstlern eine Bühne, übernimmt Kosten. Doch alles muss im Rahmen bleiben, sagt die Stadt.
Sigrid Werner Der Kunstverein sorgt mit Ausstellungen für Kultur im Rathaus. Die Stadt gibt den Künstlern eine Bühne, übernimmt Kosten. Doch alles muss im Rahmen bleiben, sagt die Stadt.

„Man sollte die jungen Leute auffordern, nach Baden-Württemberg zu ziehen“, sagte Pia Wehner vom Templiner Kunstverein wütend, als sie die jüngste Sitzung der Stadtverordneten verließ. Letztere mussten an diesem Abend entscheiden: Was ist der Stadt Templin die Kunst und eine Kunstschule wert?

Pia Wehner hatte zuvor in der Bürgerfragestunde gewarnt:  Eine Mittelkürzung für den Kunstverein im Jahr 2014  könnte den Bestand der Kunstschule gefährden. Der Verein könnte für die Kunstschule Landesförderung akquirieren, müsste aber deutlich mehr Kinderkurse anbieten und höhere Kofinanzierungen nachweisen, so das Vorstandsmitglied. Sollte die Stadt ihren Zuschuss von bisher 5000 Euro auf 2000 Euro reduzieren, dürfte das dem Verein kaum noch möglich sein. Allein die Betriebskosten in der Lindenschule machten schon 4250 Euro aus. Das dürfte im umgebauten Haus der Jugend und der Kunst (TAT) nicht weniger werden. „Weitere Zuschuss-Kürzungen können wir dann nicht mehr abfedern“, sagte Pia Wehner.

Ihre Argumente liefen ins Leere. Die Stadtverordneten beschlossen, entgegen dem Antrag des Kulturausschusses,  den Zuschuss für den Kunstverein 2014 um 3000 Euro zu kürzen. Auch die Templiner Stadtväter hatten gewichtige Argumente vorzubringen.

Kunstverein erhielt 20 000 Euro

Claudia Gundlach erinnerte daran, dass die Stadt zuzüglich zum finanziellen Zuschuss für den Kunstverein auf eine Nettokaltmiete von zuletzt 13 000 Euro im Jahr verzichtete, die Galeriekosten im neuen Rathaus inklusive Versicherung übernahm. Und auch die Betriebskosten, die der Verein derzeit in der Lindenschule zahle, seien längst nicht kostendeckend. Alles in allem hatte die Stadt dem Kunstverein 2013 mit rund 20 000 Euro unter die Arme gegriffen.

Birgit Bader gab zu bedenken, dass die Kunstschule nicht wegen 3000 Euro gefährdet werden sollte, wenn an Baukosten für das Haus der Jugend und der Kunst  1,2 Millionen Euro drin seien. Ursprünglich war man von 750 000 Euro ausgegangen. Franz-Christoph Michel warnte davor, die freiwilligen Leistungen schleichend weiter auszudehnen, die inzwischen 1,4 Millionen Euro im 21-Millionen-Euro-Haushalt der Stadt ausmachten. Vor zehn Jahren betrugen sie noch rund 900 000 Euro.

Sportförderung wird aufgestockt

Bürgermeister Detlef Tabbert machte noch eine andere Rechnung auf. Derzeit gebe die Stadt 208,50 Euro Zuschuss pro Kunstschüler und Jahr aus. Für Kinder und Jugendliche in Sportvereinen lag die städtische Förderung gerade bei 10,50 Euro. Die Verhältnismäßigkeit müsse gewahrt bleiben. Für 2014, dem Jahr des 100-jährigen Bestehens des Sportvereins Victoria, wird die Stadt im Haushalt nun eine Aufstockung der Sportförderung von 5000 auf 10 000 Euro vornehmen. Im gleichen Zuge werden die Zuschüsse für Kulturvereine von 24 000 Euro auf 20 000 Euro reduziert. Die Stadt werde sich freiwillige Leistungen künftig nicht in gleichem Maße wie heute leisten können, argumentierte der Bürgermeister. Die Kommunen rechneten ab 2017 mit deutlich weniger Zuweisungen vom Land.