Abflug verpasst:

„Storchi“ scheut Reise nach Afrika

Alle Rotschnäbel sind schon weg. Doch Templins Maskottchen, das ohne Scheu vor Menschen über den Markt spaziert, verpasst den Abflug. Ein Milmersdorfer Tierarzt mit viel Herz für Vögel gibt ihm ein Winterquartier.

Storchi, wie Tierarzt Ingo Börner seinen schwarz-weiß gefiederten Gast nennt, verbringt den Winter in Milmersdorf.
Horst Skoupy Storchi, wie Tierarzt Ingo Börner seinen schwarz-weiß gefiederten Gast nennt, verbringt den Winter in Milmersdorf.

Ein tierischer Gast wird den kommenden Winter bei Familie Börner in Milmersdorf verbringen. In einer riesigen Voliere stakte „Storchi“ durch das Gras. Als Ingo Börner langsam auf ihn zu lief, ging er auf Abstand. „Auf mich ist er nicht gut zu sprechen. Weil ich ihn eingefangen habe“, sagte der Tierarzt. In Templin stolzierte der aus Gandenitz stammende Rotschnabel im Frühjahr und Sommer ohne Scheu zwischen den Menschen auf dem Marktplatz umher. Jetzt hat der Veterinärmediziner mit Spannung darauf gewartet, wie sich der etwas mehr als ein Jahr junge Vogel verhält. Wird er mit seinen Artgenossen nach Süden ziehen und 10 000 Kilometer weit bis Afrika fliegen? Das wäre Ingo Börner am liebsten gewesen. Doch den Gefallen tat ihm Freund Adebar nicht. Mitglieder des Nabu-Ortsverbandes Templin, in dem er sich selbst engagiert, baten ihn deshalb, sich seiner anzunehmen.

Schon oft hat sich Ingo Börner um Wildtiere gekümmert. Die Liste seiner gefiederten Schützlinge ist artenreich. Sie reicht von Bussarden, Milanen, verletzte Seeadlern, Rohrweihen bis hin zum Rotkehlchen. Selbst eine äußert seltene und unter Schutz stehende Großtrappe, die vor der Tür an der NaturThermeTemplin stand, gehörte schon zu seinen Patienten.

Was Storchi betrifft, hegt Ingo Börner große Pläne. „Wir wollen im kommenden Jahr versuchen, ihn auszuwildern. Dazu werden wir ihn etwas weiter weg bringen zu einer Gruppe von Jungvögeln“, erklärte er. Dort, so hofft er, wird er mehr und mehr das Verhalten seiner Artgenossen annehmen. Doch zunächst bleibt er im „Winterquartier“, informierte er und räumte zugleich mit dem weit verbreiteten Irrtum auf, dass Störche wegen der Wärme in den Süden ziehen. „Störche halten Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius aus. Aber sie finden unter solchen Bedingungen keine Futter mehr“, sagte er. Fische, Frösche, Innereien und andere eiweißreiche Nahrung stehen auf dem Speiseplan des Langbeines.

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