Zufällig auf dem Parkplatz gefunden:

Vom Aussterben bedrohte Pflanzen in der Uckermark entdeckt

Um Pflanzen, deren allmähliches Verschwinden kaum jemand bemerkt, kümmern sich jetzt Umweltschützer in einem mehrjährigen Projekt. Einige dieser Raritäten wachsen sogar mitten in unseren Ortschaften. Erste Schritte, um sie zu retten, werden bereits eingeleitet.

So viele Kuhschellen gibt es uckermarkweit nur in ihrem Garten: Uta Kietsch zieht in Temmen Pflanzen für die Nachzucht der selten gewordenen Art.
Birgit Bruck So viele Kuhschellen gibt es uckermarkweit nur in ihrem Garten: Uta Kietsch zieht in Temmen Pflanzen für die Nachzucht der selten gewordenen Art.

Der Sumpf-Engelwurz wird über einen Meter hoch und hat unauffällige weiße Blüten. Ein Anblick, der beim Laien nicht unbedingt Begeisterungsstürme auslöst. Doch das Herz des Fachmanns lässt er schnell höher schlagen. Denn diese Pflanze ist sehr selten geworden – in Brandenburg, in Deutschland, in ganz Europa.

Als der Leiter des Botanischen Gartens Potsdam nur wenige Meter neben dem Parkplatz eines Supermarktes in Lychen genau diese Rarität fand, traute er seinen Augen kaum. „Seither wissen wir, dass an dieser Stelle ungefähr 50 Exemplare davon stehen“, sagt Norbert Bukowsky vom Naturschutzbund (NABU) Templin. Die Lychener Wurlflutwiesen sind damit einer von ganzen fünf Standorten in Brandenburg. Dem Sumpf-Engelwurz und drei weiteren vom Aussterben bedrohten Pflanzen – dem märkischen Schwingelschilf, der Wiesen-Küchenschelle und der Grauen Skabiose – will der NABU jetzt in einem vom Land im Rahmen der „integrierten ländlichen Entwicklung“ (ILE) geförderten Projekt auf die Sprünge helfen. Das märkische Schwingelschilf, das nur in Brandenburg vorkommt, war erst vor wenigen Jahren entdeckt worden.

Zunächst, so Norbert Bukowsky, werden die Bestände erkundet. Von den Pflanzen werden schließlich Samen oder wie beim Schwingelschilf Ableger genommen. Auf dem Gelände der „Wildsamen-Insel“ von Uta Klietsch in Temmen ist schließlich die „Kinderstube“ für die jungen Pflanzen, die künftig die Altbestände vergrößern sollen. Die Gärtnermeisterin zeigt auf eine kleine Stelle, auf der niedrige Pflanzen mit vereinzelten violetten Blüten stehen: „Ein größeres Vorkommen der Küchenschelle gibt es in der Uckermark nicht.“ Die jungen Pflänzchen werden im Herbst ihre neuen Standorte beziehen. Ebenso die Schilfabkömmlinge, die sich in den Töpfen rasch vermehrt haben und künftig das bislang einzige bekannte Vorkommen am Großen Wentowsee im Kreis Oberhavel ergänzen sollen.

Auf den Wurlflutwiesen in Lychen werden sich die Naturschützer um den Sumpf-Engelwurz kümmern. „Wenn wir dort also mit dem Spaten zugange sind, hat das alles seine Ordnung“, schmunzelt Norbert Bukowsky. Es sind erste Schritte zur Rettung von Arten, die es ohne Hilfe bald nicht mehr geben würde. Damit diese unscheinbar-schönen Pflanzen auch in Zukunft noch auf Wiesen und Weiden und nicht nur in wissenschaftlichen Abhandlungen zu finden sind.

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