Artenschutz in der Uckermark:

Wenn der seltene Schreiadler zu Fuß auf die Jagd geht

Ein Schreiadlerpaar hat in der Buchheide ein Junges großgezogen. Naturschützer und Landwirte kümmern sich darum, dass die vom Aussterben bedrohten Vögel wiederkommen – und mit ihnen vielleicht noch ein paar Artgenossen.

Der scheue und seltene Schreiadler ist ganz nah bei Templin zu Hause. Das Bild wurde von den Fachleuten des NABU mit einer Wildkamera aufgenommen.
Ingo Börner Der scheue und seltene Schreiadler ist ganz nah bei Templin zu Hause. Das Bild wurde von den Fachleuten des NABU mit einer Wildkamera aufgenommen.

Der Schreiadler ist eine Rarität. Nur noch ungefähr 100 Brutpaare gibt es in Deutschland. 80 befinden in Mecklenburg-Vorpommern, 20 in Brandenburg. Eins davon hat seinen Horst in der Templiner Buchheide. Vor 40 Jahren waren es noch vier.

Viele Brutgebiete des Schreiadlers sind in der Vergangenheit durch massive Holzeinschläge, Entwässerungen und Straßenbau zerstört worden. Dass der scheue Vogel in der Buchheide bleibt und dass es vielleicht wieder mehr werden, daran arbeiten Naturschützer und Landwirte gemeinsam. Das ist auch notwendig, da der Greifvogel besondere Ansprüche an sein Brutgebiet stellt. Er braucht einerseits artenreiche Wälder mit Totholz und nassen Senken zum Brüten. Andererseits benötigt er rundherum Wiesen, auf denen er Nahrung findet, erläutert Arno Hinz vom Naturschutzbund Deutschland e.V. ( NABU), der sich seit Jahren um den Schutz der Schreiadler kümmert. Für den geeigneten Wald, in dem nicht nur eine 100-Meter-Schutzzone um den Horst eingehalten wird, sorgen die Templiner Stadtförster.

„Das entspricht unserem Anspruch, nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben“, betont Christian Hierdeis. Die Templiner Schreiadler sind übrigens die ersten, die der Förster in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen hat. Auch Landwirt Reiner Schultz hat den scheuen Vogel bisher nur hier gesehen. Er sorgt mit einer rechzeitigen Mahd der angrenzenden Grünflächen für die geeigneten Jagdgebiete. Denn der Schreiadler jagt nicht aus der Luft, sondern zu Fuß. Er ist auf seinen langen Beinen auf den Wiesen unterwegs, um Mäuse und andere Kleinsäuger zu erbeuten.

Arno Hinz hofft, dass die Schreiadlerfamilie – das Adlerpaar hat erfolgreich ein Junges aufgezogen – ihre Winterreise ins südliche Afrika gut übersteht. Wenn alles gut geht, sind die Elterntiere im April wieder da.

Steckbrief des Schreiadlers:

  • Neben dem Steinadler ist der Schreiadler, auch Pommernadler genannt, der zweite der Gattung Aquila. Gleichzeitig ist er der kleinste unter den verwandten Arten.
  • Seine Flügelspannweite kann bis zu 1,60 Meter betragen und er kann zwischen 61 und 66 zentimeter lang werden. Damit ist er ein wenig größer als ein Mäusebussard. Männliche Schreiadler können bis zu 2,2 Kilogramm schwer werden, die Weibchen werden bis zu 800 Gramm schwer.
  • Die Nahrung eines Schreiadlers ist vielfältig. Er ernährt sich unter anderem von Wühlmäsen, kleineren Wirbeltieren, aber auch von Insekten.
  • Das Brutgebiet des Schreiadlers ist vergleichsweise klein. Es reicht im Norden von Ostdeutschland bis nach Russland und im Süden über Griechenland und die Türkei bis hin zum Kaspischen Meer.
  • Seinen Lebensraum findet der Schreiadler in Laub- und Mischwäldern. Daran angrenzende Wiesen sind insofern wichtig, da er dort bevorzugt auf die Jagd geht.
  • Im April kehrt der Schreiadler, seineszeichen ein Zugvogel, in seine Brutgebiete zurück. Dort brütet von Ende Abrpil bis ungefähr Mitte Juli. Er überwintert im Osten und Süden Afrikas.
  • Schreiadler stehen auf der Roten Liste und sind vom Aussterben bedroht. Im 19. jahrhundert war er auch im Westen verbreitet. 1937 verschwand der Schreiadler aus Niedersachsen. War früher noch die Verfolgung durch den Menschen der hauptsächliche Grund für den Rückgang der Population, sind es heute vielmehr landschaftliche Veränderungen. Unter anderem die Entwässerung von Brutwäldern, die zunehmende Entwicklung verschiedener Verkehrswege und deie Einschränkung des Nahrungsangebotes sind hier zu nennen. Wilderei ist als Grund für den Rückgang auch heute nicht gänzlich auszuschließen. In einigen Ländern gilt die Jagd, beispielsweise auf ihren Zugrouten immer noch als eine Art Statussymbol, obwohl das verboten ist. 

Quellen: nabu.de, schreiadler.org und deutschewildtierstiftung.de