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Wie Eltern ihre Kinder in Gefahr bringen

Was kann schöner sein, als mit der Familie am Wochenende eine Fahrradtour zu unternehmen? Doch immer mehr Eltern nutzen Kindersitze, die nicht straßenverkehrstauglich sind. Das kann verheerende Folgen haben.

Fahrradhändler Veiko Winkler mit einem Negativbeispiel. Der Sitz des Kindes ist am Vorderrahmen und die Fußstützen sind an der Radgabel angebracht
Carsten Korfmacher Fahrradhändler Veiko Winkler mit einem Negativbeispiel. Der Sitz des Kindes ist am Vorderrahmen und die Fußstützen sind an der Radgabel angebracht

Veiko Winkler ist Inhaber eines Fahrradladens. Er verkauft, verleiht und repariert Fahrräder. In den letzten Jahren immer häufiger solche mit Unfallschäden, aus denen hervorgeht, dass Kinder verletzt wurden. „Ich mache zunehmend die Erfahrung, dass Eltern zunächst nichts sagen, doch im Laufe der Gespräche beschämt einräumen, dass verkehruntaugliche Fahrradsitze eine Rolle spielten“, berichtet der Templiner Fahrradmonteur.

Beine gelangen in die Radspeichen

Am gefährlichsten seien Vorrichtungen, die nicht einmal ansatzweise die Sicherheitsbedingungen eines Fahrradsitzes erfüllen. Ein Beispiel für einen solchen Sitz sei ein am Vorderrahmen angebrachter Zweitsattel mit Fußstützen. Bei diesen, im deutschen Straßenverkehr nicht zugelassenen, Kindersitzen ist am sogenannten Unterrohr des Fahrradrahmens ein Sitz montiert, auf den das Kind während der Fahrt gesetzt wird. Die Fußstützen sind an der Radgabel des Vorderrades angebracht. Bei einem Unfall gelangen die Beine des Kindes sofort in die Radspeichen. Doch selbst ein Speichenschutz kann nicht verhindern, dass der Radfahrer bei einem Unfall möglichweise mit seinem gesamten Körpergewicht auf das Kind fällt.

Gesetzeslage ist nicht eindeutig

Problematisch sei vor allem die Gesetzeslage. „Uns Fahrradhändlern ist es verboten, Sitze ohne gültiges ECE-Prüfzeichen zu verkaufen oder zu montieren. Die Teile sind aber im Baumarkt oder über das Internet erhältlich.“ Zwar weise ein Schild darauf hin, dass die Kindersitze nicht straßenverkehrstauglich sind. Doch das halte viele Eltern nicht davon ab, sie trotzdem anzubringen.