:

„Wir brauchen den Mist!“

„Templin hat jetzt 30 000 Bewohner mehr – und die will ich begrüßen“, sagt Bürgermeister Detlef Tabbert und betritt die nagelneue Legehennenanlage ...

Bürgermeister Detlef Tabbert begrüßt die 30 000 „Neu-Templiner“.  FOTOs (2): Birgit Bruck

„Templin hat jetzt 30 000 Bewohner mehr – und die will ich begrüßen“, sagt Bürgermeister Detlef Tabbert und betritt die nagelneue Legehennenanlage von Christina und Martin von Haaren in Petznick. Als sich die Tür zum lichtdurchfluteten „Wintergarten“ öffnet, schart sich die gackernde Gesellschaft sofort neugierig um das Stadtoberhaupt. Seit 10. April ist der fast 4000 Quadratmeter große „Hühnerstall“ bewohnt, seit einigen Tagen erkunden die Hennen auch das weitläufige Außengelände. „Jedem Tier stehen vier Quadratmeter Auslauf zu“, erklärt Betriebsleiter Bernd Veddern. Der Herr über die 30000 Hühner ist in diesen Tagen und Wochen dabei, dem noch jungen Federvieh Grundsätzliches beizubringen. Zum Beispiel, dass die Eier in die Nester und nicht auf den Boden gehören. „Da sich die Tiere in der Anlage frei bewegen, kann ich sie dazu nicht zwingen, aber ich kann sie mit entsprechendem Licht, Futter und einer weichen Matte dazu veranlassen“, sagt der Fachmann und ergänzt: „Wenn ein Tier das in den ersten vier Wochen gelernt hat, dann wird es das auch weiterhin tun. Wenn nicht, dann liegen die Eier auch in einem halben Jahr noch auf dem Boden und wir müssten sie dort einsammeln.“
Mit der Legehennenanlage, die nach der Anlaufphase täglich über 28 000 Bioeier produzieren wird, wollen die Betreiber den Stoffkreislauf ihrer Ökolandbetriebe schließen. „Eigentlich brauchen wir vor allem den Mist als organischen und ökologisch erzeugten Dünger“, erklärenChristina und Martin von Haaren, die seit über 20 Jahren in der Uckermark nachhaltige Landwirtschaft betreiben. Auf rund 1300 Hektar bauen sie Hafer, Roggen, Weizen und als Zwischenfrüchte Lupine, Luzerne und Erbsen an. „Unser Vorhaben wurde von den Templiner Stadtverordneten unterstützt, das war sehr hilfreich“, schätzen die Betreiber rückblickend ein. Eine gesunde Skepsis sei angesichts von Negativschlagzeilen aus der Tierhaltung durchaus legitim, da helfe Offenheit und Information. Darauf setzen die Ökolandwirte jetzt auch in Mittenwalde. Dort wollen die von Haarens noch einmal dieselbe Anlage bauen – ein Vorhaben, das die dortigen Gemeindevertreter mit knapper Mehrheit abgelehnt hatten. Mittlerweile liegt die Baugenehmigung vor. Aber Martin von Haaren will vor Baubeginn für Akzeptanz im Dorf sorgen und hat die Gemeindevertreter zur Besichtigung der „Zwillingsanlage“ in Petznick eingeladen. „Es ist leichter, sich vor Ort ein Bild zu machen, was hier passiert, wie es aussieht, wie es riecht und wie die Tiere gehalten worden.“ Davon zeigte sich auch Bürgermeister Detlef Tabbert bei seinem Antrittsbesuch beeindruckt. Auch wenn er wohl keine Aussicht auf Schlüsselzuweisungen für seine 30 000 „Neu-Templiner“ hat.