Einwohnersorgen:

Wo den Bürgern der Schuh drückt

Im Ort wird über Entwicklung nachgedacht. Gleich einen ganzen Sack voller Wünsche haben Einwohner, die sich dafür interessieren. Auch ihr Wort zählt, wenn jetzt die Entscheidung fällt, wohin die Reise für den Ortsteil geht.

Hier hat hoffentlich jemand eine Konstruktion errichtet, um dafür zu sorgen, dass das Regenwasser den Schmiedeberg-Weg nicht weiter ausspült.
Michaela Kumkar Hier hat hoffentlich jemand eine Konstruktion errichtet, um dafür zu sorgen, dass das Regenwasser den Schmiedeberg-Weg nicht weiter ausspült.

Regine Ahl wohnt gern in Boitzenburg. Dass sich die 73-Jährige, die seit 2009 dort zu Hause ist, deshalb auch für die Entwicklung ihres Ortes interessiert, ist für sie selbstverständlich. Deshalb wollte Regine Ahl auch dabei sein, wenn sich Bürger über die Entwicklung des Ortes Gedanken machen. Die Gemeindeverwaltung hatte am Montagabend in die Grundschule zu einer Ideenwerkstatt eingeladen. Wohin die Reise für Boitzenburg gehen soll, wie der Ortskern gestaltet werden kann und welche Chancen angesichts knapper Haushaltsmittel bestehen, um für notwendige Veränderungen finanziell gefördert zu werden, damit beschäftigen sich Vertreter aus Politik und Verwaltung seit Längerem. Die Landesweite Planungsgesellschaft mbH (LPG) erhielt den Auftrag, ein Ortsentwicklungskonzept zu erarbeiten. Fertig ist es noch nicht, so Bauamtsleiterin Ute Schumann. „Bis Ende September dieses Jahres wird noch daran gearbeitet.“ Das heißt auch, die Meinung von Bürgern aufzunehmen.

Der Ort macht keinen gepflegten Eindruck

Wo ganz dringend etwas passieren muss, damit hielten sie am Montag bei einem Dorfrundgang mit Kommunalpolitikern, Vertretern der Gemeindeverwaltung und Gewerbetreibenden nicht hinterm Berg. „Hier sind viele Dinge zur Sprache gekommen, die wichtig sind“, meinte Regine Ahl. Nicht nur sie mag sich damit anfreunden, dass der Ort nicht gerade einen gepflegten Eindruck macht. Viele Grünanlagen müssten in Form gebracht werden. „Und dann der Müll, der leider oft irgendwo hingeworfen wird. Dabei steht der nächste Papierkorb in unmittelbarer Nähe“, ärgerte sich die Boitzenburgerin.

Bernhard Lingk brennt ein ganz anderes Problem auf den Nägeln. „Der Zustand der Gehwege ist katastrophal. So lange haben wir darauf gewartet, dass sich daran etwas ändert. Leider vergeblich. Jetzt ist es allerhöchste Zeit.“ Stolperfallen werden nicht nur für Fußgänger ohne Handicap zum Problem. „Rollstuhlfahrer haben praktisch kaum eine Chance, sie zu nutzen“, ließ Bernhard Lingk wissen. Der Boitzenburger weiß, wovon er spricht. Auch seine Frau ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Peter Wellm kennt Boitzenburg schon seit vielen Jahren. Der frühere Berliner verbrachte etliche Urlaube dort, inzwischen ist er ganz nach Boitzenburg gezogen. Auch er muss nicht lange überlegen, wenn es darum geht, was wichtig ist für den Ort: „Große Betriebe haben wir hier nicht. Der Tourismus hat großes Potenzial. Aus meiner Sicht müssten sich die Touristiker mehr zusammenschließen. Jeder kleckert noch zu viel für sich allein“, meinte er. Mehr Angebote für junge Leute würden Boitzenburg auch gut zu Gesicht stehen. Dazu passte der Vorschlag, den Heike Koopmann ins Gespräch brachte: einen Treffpunkt, den alle Generationen nutzen können.

Viele Wege sind nicht barrierefrei

Nicht nur für Gudrun Zimmermann, Mitglied des Ortsbeirates Boitzenburg, ist der Zustand des Schmiedeberges ein Dauerbrenner. Für Familien mit Kinderwagen ist er eigentlich tabu, weil der Weg, der sich anschließt, nur über eine Treppe zu erreichen ist, so ihr Hinweis. Auch Spaziergänger hätten dort schlechte Karten, weil der Weg in sehr schlechtem Zustand ist. Auch im Bereich des Marktes gibt es etliches zu tun: Unter anderem fehlen ein barrierefreier Übergang und Sitzgelegenheiten, die Grünfläche sei alles andere als attraktiv und die Schilder, die auf Ausflugsziele hinweisen, müssten instand gesetzt werden, hieß es von Teilnehmern.

Alle Schwerpunkte wurden nach dem Rundgang zu Papier gebracht. Dann ging es ans Punkteverteilen: Welche Drei haben Vorrang? Die Entscheidung fiel schnell. Die Situation am Schmiedeberg muss sich ändern, die Bürgersteige in einen ordentlichen Zustand versetzt werden. Priorität hat aus Sicht der Teilnehmer auch ein Treffpunkt für alle Einwohner. Aus dem Ergebnis der Ideenwerkstatt sollen jetzt Maßnahmen formuliert werden, ließen die Vertreter des Planungsbüros wissen. Alle diejenigen, die am Montag nicht dabei waren, die aber trotzdem interessiert sind am Thema Ortsentwicklung, sollten zum Dorffest am 20. August kommen. Dort wollen die Planer über dieses erste Treffen informieren.