:

Todesflug der Ju 188:Jetzt sprechen Zeugen

70 Jahre nach dem Flugzeugunglück werden nun neue Details der Tragödie bekannt.Danach hatte der See für die deutsche Luftwaffe eine ganz besondere Bedeutunwg. Mit tödlichen Folgen.

Eine Maschine des Typs Junker 188 stürzte am 30. Juni 1943 in den Kummerower See. Es wird angenommen, dass die Maschine drei Insassen hatte.
Eine Maschine des Typs Junker 188 stürzte am 30. Juni 1943 in den Kummerower See. Es wird angenommen, dass die Maschine drei Insassen hatte.

 70 Jahre ist es her und dennoch erinnert sich Ilse Lange noch ganz genau an diesen Sommertag. Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie in einem Pflichtjahr im Fischereibetrieb Kummerow. „Wir wollten damals gerade essen, als es passierte“, berichtet die heute 85-Jährige.

Zunächst seien Flugzeuggeräusche über dem See zu hören gewesen, dann auf einmal ein dumpfer Knall.

Der Fischer sei mit seinen Gehilfen sofort mit mehreren Booten hinausgefahren. „Sie hatten gehofft, noch jemanden retten zu können. Doch sie kehrten sehr mitgenommen wieder zurück. Es waren schreckliche Bilder, die sie gesehen hatten“, sagt Ilse Lange. Auf dem Wasser trieben Trümmer des Flugzeuges, aber auch Leichenteile.

Die Erinnerungen werden jetzt wieder wach, nachdem Ilse Lange in dieser Woche aus dem Nordkurier erfuhr, dass die Tochter des damals verunglückten Fluglehrers erstmals auf den Kummerower See zur Absturzstelle hinausgefahren war, um der Opfer des damaligen Unglücks zu gedenken. Nein, ein Luftkampf, wie von einigen vermutet, habe es damals über dem Kummerower See nicht gegeben, ist sich Ilse Lange sicher. „Seit Tagen schon hatten mehrere Flugzeuge über dem See Übungsflüge gemacht. Sie warfen Zementbomben ab, um die Treffsicherheit zu üben.“ An jenem letzten Juni-Tag 1943 war ein Flugzeug den Fischern ganz besonders aufgefallen.Die Ju 188 sei sehr niedrig geflogen mit waghalsigen Manövern. Dann hat der Pilot die Maschine wohl nicht mehr hochbekommen, so dass sich die Katastrophe nicht verhindern ließ.

Dass der Kummerower See für die deutsche Luftwaffe Anfang der 1940er-Jahre ein bevorzugtes Übungsgebiet war, berichten derweil auch noch weitere Zeitzeugen, die sich in dieser Woche bei dem Neukalener Wilfried Schober meldeten. Schober will das Flugzeugunglück in einem Film dokumentieren und denkt sogar über eine Bergung des Wracks nach (der Nordkurier berichtete). Nach seinen Angaben gibt es jetzt Hinweise auf einen zweiten Bomber, der in den Kummerower See gestürzt sein könnte, ebenfalls bei einem Übungsflug. Es sei die Rede davon, dass sich die Frau des dabei getöteten Piloten damals schweren Vorwürfen gegenüber sah, weil wohl auch diese Maschine nach abenteuerlichen Manövern in den See gestürzt war.

Ein Hinweis auf diesen Absturz tauchte offenbar Anfang der 1970er-Jahre auf, so erinnert sich ein Neukalener. Nach einem schweren Sturm war am Ufer des Sees die Tragfläche eines Flugzeuges angespült worden. Darauf zu sehen war ein großes Hakenkreuz.

Am nächsten Morgen war das Wrackteil bereits wieder verschwunden. Ob es erneut versunken ist oder von jemandem geborgen wurde, blieb unklar.