Gefährliche Spritztour:

16-Jähriger rast mit fremdem Auto durch Ueckermünde

Mit einem gestohlenem Auto und ohne Licht war ein 16-Jähriger in Ueckermünde unterwegs – mitten im Berufsverkehr. Der Fahrzeugbesitzer raste hinterher.

Froh darüber, dass während der Spritztour des 16-Jährigen nichts Schlimmeres passiert ist: BVD-Geschäftsführer Jörg Bilaczewski.
Lutz Storbeck Froh darüber, dass während der Spritztour des 16-Jährigen nichts Schlimmeres passiert ist: BVD-Geschäftsführer Jörg Bilaczewski.

Nun also auch in Ueckermünde. Nachdem ein 14-Jähriger in Torgelow mehrfach Autos geklaut hat und damit durch die Gegend gefahren ist (der Nordkurier berichtete), hat sich am frühen Dienstagabend in Ueckermünde ein junger Mann in einen Kleintransporter gesetzt, der auf dem Gelände der Firma BVD im Rosenmühler Weg abgestellt war.

Das an sich ist noch nicht schlimm. Doch der junge Mann, 16 Jahre alt, hat es dabei nicht belassen, sondern den Zündschlüssel betätigt und nach mehreren Startversuchen dann das Firmengelände mit dem Auto verlassen. Geschäftsführer Jörg Bilaczewski war zu diesem Zeitpunkt mit zwei Kollegen in der Werkstatt beschäftigt. „Dennoch ist mir das merkwürdig vorgekommen“, sagt er. Bambule gewesen sei auf dem Hof, laute Motorengeräusche waren zu hören, ein aufheulender Motor. Das Auto, ein Mercedes Sprinter-Pritschenfahrzeug, sei hin- und hergefahren. Und weil das alles in ziemlicher Eile passierte, dachte der Geschäftsführer zunächst an einen Notfall.

Jemand ist in Not und braucht dringend Hilfe, so sein erster Gedanke. Doch der verflog schnell, als er sah, wie der Transporter förmlich vom Hof schoss – ohne Licht. „Da hab ich dann fast Panik gekriegt und nur gedacht, was da alles passieren kann.“ Immerhin war zu dieser Zeit vorm Betriebsgelände, auf der Liepgartener Straße, verhältnismäßig viel Verkehr. Jörg Bilaczewski überlegte nicht lange, sondern sprang in seinen VW-Bus und fuhr hinterher. Vielleicht ein bisschen zu schnell, wie er sagt, aber er wollte verhindern, dass Schlimmeres passiert.

Firmenchef schnappt ihn sich zunächst

Er holte den Transporter ein. „Beim Vorbeifahren hab ich gesehen, dass da keiner von uns am Steuer saß“, sagt der Geschäftsführer. Er überholte, hielt an, der Transporter hinter ihm kam nach rechts von der Straße ab und streifte mit dem Außenspiegel einen Baum. Der Motor wurde abgewürgt, und dann konnte der Firmenchef den jungen Mann am Steuer stellen. Der 16-Jährige sollte dann im VW-Bus warten, bis die Polizei kam, sprang aber sofort an der Beifahrerseite wieder aus dem Auto heraus.

Die Flucht aber war schnell zu Ende. „Ein Helfer hat ihn dann gestellt“, sagte der Geschäftsführer. Die Polizei wurde informiert und traf dann am Ort des Geschehens ein. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann im Jugendhilfezentrum in der Chausseestraße untergebracht ist. Offenbar war er seiner Betreuerin entwischt, wurde ihr aber nach dem Vorfall übergeben.

Was den 16-Jährigen zu seiner unerlaubten Spritztour veranlasst hatte, dazu gab das Jugendhilfezentrum gestern keine Auskunft. Verantworten muss sich der junge Mann aber, weil er einen Verkehrsunfall verursacht hat und ohne Fahrerlaubnis unterwegs war.

Ob das Geschehene nun als Diebstahl oder als unbefugte Auto-Benutzung behandelt wird – das muss sich erst noch herausstellen. Der BVD-Geschäftsführer ist auf alle Fälle froh darüber, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist und sich der Schaden am Betriebsauto noch in Grenzen hält.

Der 16-Jährige ist am Mittwoch erneut in der Ueckermünder Firma erschienen. Und zwar, um sich für den Vorfall zu entschuldigen.

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