Lohndumping:

Ameos-Löhne hängen am Tropf

Im Ameos-Klinikum Ueckermünde wehren sich Mitarbeiter gegen Lohnkürzungen. Keine Einzelfälle, der Betriebsrat geht von etwa 200 Klagen aus. Bis zu 500 Euro weniger in der Lohntüte – das lassen sich viele nicht gefallen.

Löhne am Tropf: Für ihre gute Arbeit werden Schwestern und Pfleger viel zu schlecht bezahlt.
Sven Hoppe Löhne am Tropf: Für ihre gute Arbeit werden Schwestern und Pfleger viel zu schlecht bezahlt.

Der Streit ums Geld und um die Arbeitsverträge für die Hälfte der etwa 800 Mitarbeiter im Ueckermünder Ameos Klinikum geht weiter. 400 Mitarbeiter mit Altverträgen sollten zu Jahresbeginn eine Änderungskündigung unterschreiben, die sie generell schlechter stellt. Das sind Schwestern, Pfleger, technisches Personal und Verwaltungsmitarbeiter, die zum größten Teil schon viele Jahre ihren Dienst im Krankenhaus verrichten. Seit mehreren Jahren schon verzichten sie auf Geld, das ihnen eigentlich zusteht.

Wer den geänderten Vertrag von der Geschäftsführung nicht unterschrieb, hatte automatisch bis zu 500 Euro weniger in der Lohntüte. Viele Ameos-Mitarbeiter wehren sich dagegen und klagen ihr Recht ein. „Wir gehen davon aus, dass es etwa 200 Klagen gibt“, sagt Kati Deporter vom Betriebsrat. Nachdem alle bisherigen Güteverhandlungen gescheitert sind, wird in der nächsten Woche der erste Fall vor dem Arbeitsgericht Neubrandenburg verhandelt.

Vor diesem Hintergrund haben Betriebsrat und Geschäftsführung die Gespräche über die Lohngestaltung im Unternehmen wieder aufgenommen. Und zwar nicht nur für die Mitarbeiter mit Altverträgen, sondern auch für die anderen 400 Mitarbeiter mit Individualverträgen. Mit 1600 bis 1900 Euro Brutto im Dreischichtdienst gehörten die Ameos-Pflegefachkräfte zu den am schlechtesten bezahlten in den Krankenhäusern der Region, sagt Betriebsrat Roland Arndt. Darum will der Betriebsrat eine Lohnuntergrenze für alle Pflegekräfte. Das gehört zu einem Angebotspaket, auf das sich Geschäfstführung und Betriebsrat geeinigt haben. „Wir sind damit zwar nicht zufrieden, aber es ist der kleinste gemeinsame Nenner“, sagt Arndt.

Ob dieses Paket als Betriebsvereinbarung wirksam wird, will die Geschäftsführung allerdings davon abhängig machen, dass bis zum30. November mindestens 90 Prozent der Mitarbeiter mit Altvertrag den neuen Absprachen zustimmen – und weiterhin verzichten. Eine völlig unrealistische Größe, meint der Betriebsrat.Wenn die Vereinbarung scheitert, sind steigende Grundlöhne, mehr Urlaub und weitere Verbesserungen für Schwestern und Pfleger vom Tisch. Egal also, wie es ausgeht: Am Ende sind die Mitarbeiter die Gekniffenen. Und das haben sie angesichts ihrer verantwortungsvollen, schweren und hoch angesehenen Arbeit einfach nicht verdient.

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