Abriss:

Bagger machen die Protest-Platte platt

Nun sind die Abrissbagger da. Nach zwei Tagen Krach und Staub wird von den Protest-Platte in Ueckermünde-Ost keine Spur bleiben.

Die gelenkige Hydraulikhand des Kettenbaggers reißt eine Betonplatte nach der anderen aus dem Fünfgeschosser.
Simone Weirauch Die gelenkige Hydraulikhand des Kettenbaggers reißt eine Betonplatte nach der anderen aus dem Fünfgeschosser.

An der Geschwister-Scholl-Straße in Ueckermünde ist seit Mittwoch der Abrissbagger zugange. Den Block Nummer 20 a bis c gibt es am Donnerstagabend nicht mehr. Die Männer von der „DC demolition GmbH“ und ihre schwere Technik leisten ganze Arbeit. „Das ist unser täglicher Job, bei uns sitzt jeder Handgriff“, sagt Vorarbeiter Danilo Peters. Für ihn und seine Männer ist diese Platte wie jede andere. Für die Ueckermünder ist sie ein kleines Politikum.

Die Mieter aus der Geschwister Scholl-Straße 20 a bis c haben lange gegen den Abriss ihrer Wohnungen gekämpft. Krank sind einige darüber geworden. Sie wollten nicht akzeptieren, dass ausgerechnet ihre Wohnungen in dem sanierten Plattenbau geopfert werden, um die Leerstandsquote der Wohnungsbaugesellschaft zu senken. Vergeblich. Im August ist der letzte Mieter ausgezogen.

Adolf Schulz kam mit dem Rad vorbei, um dem Abrissbagger zuzusehen. Der 73-Jährige hat abgeschlossen mit dem Mieter-Streit. Er sagt: „Ich habe eine schöne Wohnung, viel ruhiger ist es da, und die UWG hat mich beim Umzug unterstützt.“ Lange bleibt er nicht stehen. Da, wo er 20 Jahre gewohnt hat, ist nur noch Beton-Schutt. Das muss man sich nicht ansehen.

Die Stadt Ueckermünde geht seitdem mit ihren Abrissplänen anders um. Offener. Einen weiteren Mieteraufstand wünscht sich niemand. Die Stadtvertretung hat sich auf ihrer jüngsten Sitzung damit beschäftigt. Bis 2019 sollen drei weitere Plattenbauten in Ueckermünde-Ost abgerissen werden. Infrage für den Abriss kommen Belliner Straße 86 bis 89, der Haffring 19 bis 19c und die Neuendorfer Straße 25 bis 29. „Wir informieren die Mieter rechtzeitig“, versichert der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Kliewe.