Schlaganfall:

Betroffene rät: Nehmt die Symptome ernst und ruft sofort den Notarzt!“

Jung, gesund, Nichtraucher – solche Leute bekommen doch keinen Schlaganfall! Unvorstellbar war das auch für Yvonne Hartmann. Die 37-Jährige wurde eines Besseren belehrt.

Yvonne Hartmann kann wieder lachen. Den Schlaganfall hat sie ohne Folgeschäden überstanden, weil sie sofort Hilfe im Ameos-Klinikum erhielt.
Simone Weirauch Yvonne Hartmann kann wieder lachen. Den Schlaganfall hat sie ohne Folgeschäden überstanden, weil sie sofort Hilfe im Ameos-Klinikum erhielt.

Yvonne Hartmann wird noch lange an den letzten Dienstag im Juli denken, den Tag, an dem sie der Schlag traf. Sie kann es auch heute kaum fassen: Es war völlig unspektakular. Nichts tat weh, nur Taubheit, Kribbeln und ein eingeschränktes Sichtfeld. Das war’s, warum sie sich bei den Schwestern in der Rettungsstelle meldete. Keine halbe Stunde später lag sie in der Stroke Unit, der Spezialabteilung für Schlaganfallpatienten im Ueckermünder Ameos-Klinikum. Die schnelle und spezialisierte Behandlung haben Yvonne Hartmann vor Schlimmerem bewahrt. Vielleicht auch vor dem Tod. Immerhin: Jeder fünfte Schlaganfallpatient ohne Spezialbehandlung stirbt innerhalb von vier Wochen, 36 Prozent innerhalb eines Jahres. Viele haben mit den Folgeschäden zu kämpfen. Die junge Mutter kennt diese Zahlen mittlerweile. Sie weiß, dass sie verdammtes Glück gehabt hat.

Dabei fing der Arbeitstag wie jeder andere an. Yvonne Hartmann fährt morgens mit dem Auto von Friedland nach Ueckermünde. Dort arbeitet sie als Hygienefachkraft im Ameos-Klinikum. An diesem Tag hat sie auf den letzten Metern vor ihrem Ziel schon eine unendliche Müdigkeit gespürt. „Als würde mir der Schlaf gleich die Augen zudrücken“, erzählt sie. Dabei hatte sie eine gute Nacht, und morgens ist sie gewöhnlich munter. Nicht so an diesem Tag. Wie durch einen Tunnel lief sie in ihr Arbeitszimmer. Auch ein Kaffee machte sie nicht wieder fit. „Ich wunderte mich, dass ich plötzlich links nicht mehr alles sehen konnte, und von einer Minute zur anderen spürte ich, dass meine linke Gesichtshälfte und der Oberkörper taub wurden“, erinnert sich die 37-Jährige. Sie hat sich ansonsten überhaupt nicht schlecht oder krank gefühlt. Zum Glück hat sie sich trotzdem auf den Weg zur Rettungsstelle gemacht. „Als ich im Rollstuhl zum CT geschoben wurde, glaubte ich dem Arzt immer noch nicht, dass ich einen Schlaganfall habe.“ Die hoch standardisierte Rettungskette für die junge Patientin ist in diesem Moment bereits in Gang gesetzt. Das spezialisierte Team der Stroke Unit behandelt sie. Yvonne Hartmann geht es heute wieder so gut wie vor dem Schlaganfall. Dafür ist sie dankbar. „Darum rede ich auch mit anderen darüber, was mir passiert ist. Damit jeder solche Symptome ernst nimmt und sofort den Notarzt ruft.“

Bei Yvonne Hartmann war eine verengte Schlagader im Kopf Ursache der Attacke. So junge und gesunde Patienten sind die Ausnahme, sagt Thomas Krüger, Chefarzt der Neurologie im Ameos-Klinikum Ueckermünde. Bei jungen Leuten sind es meist angeborene Anomalien und Herzrhythmusstörungen, die zu einem Schlaganfall führen. Die meisten Betroffenen sind 50 Jahre und älter. Ihr Risiko ist hoher Blutdruck. Über lange Zeit schädigt er die Gefäße.

Die hochspezialisierte Behandlung im Ueckermünder Klinikum hat dazu geführt, dass die Todesfallrate auf unter zehn Prozent gesenkt werden konnte. Auch die ärztliche Rettungskette in der Region funktioniert einwandfrei. Aber was nutzt das alles, wenn der Patient nicht sofort den Notarzt ruft? Das ist das Dilemma: So ein Schlaganfall tut nicht weh wie ein Herzinfarkt. Mit Symptomen wie Taubheit, Sprachstörungen oder Sehstörungen lässt es sich noch eine Weile aushalten. Und dann schläft der Vorpommer eben noch eine Nacht drüber, bevor er zum Arzt geht. Falsch! Tödlich! Das Zeitfenster für eine rettende Lyse-Therapie hat sich nach drei bis viereinhalb Stunden geschlossen, erklärt Chefarzt Krüger. Nur in dieser Zeit kann ein Medikament gegeben werden, das das Blutgerinnsel auflöst und Patienten vor Folgeschäden bewahrt.

„Und schreiben Sie doch bitte, dass niemand bestraft wird oder zahlen muss, wenn er den Notarzt gerufen hat und es am Ende doch kein Schlaganfall ist.“

Der Chef-Neurologe kennt seine Vorpommern. Er informiert über das Thema Schlaganfall, wann und wo er nur kann. Der nächste Info-Tag ist am 30. November ab 10 Uhr im Ueckermünder Klinikum.